In Syrien wächst die Gefahr eines Bürgerkriegs. Am Freitag sind in Aleppo, der größten Stadt des Landes, durch die Explosion von zwei Autobomben mindestens 25 Menschen umgekommen, 175 weitere wurden verletzt. Die Sprengsätze explodierten vor einer Einrichtung des Militärgeheimdienstes und einer Kaserne der Sicherheitspolizei, unter den Toten waren nach Angaben staatlicher Medien Sicherheitskräfte und Zivilisten.
Das Regime von Staatschef Baschar al-Assad machte Terroristen für die Gewalt verantwortlich. Die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA), in der sich Überläufer aus Assads Truppen zusammengeschlossen haben, dementierte Berichte, wonach sie sich zu den Anschlägen in Aleppo bekannt habe.
Mit den Anschlägen von Aleppo greift die Gewalt auf die wichtigste Handelsmetropole Syriens über. Auch in Homs dauerten am Freitag die Kämpfe an. Die Stadt wird seit einer Woche von Assads Truppen beschossen. Die Armee besetzte in der Nacht zu Freitag das Stadtviertel Inschaat mit Panzern und durchsuchte Häuser, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London berichtete. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen starben durch den Mörserbeschuss in Homs bislang vierhundert Menschen. Eine Überprüfung ist nicht möglich, da das Regime eine unabhängige Berichterstattung aus Syrien verhindert.
Die Aufstände in Syrien haben im März 2011 begonnen. Am vergangenen Sonnabend war eine Resolution gegen Assads Regime im UN-Sicherheitsrat am Veto von Russland und China gescheitert. Russlands Parlament begrüßte am Freitag den Veto-Beschluss und forderte die syrische Opposition auf, mit Assad zu verhandeln.
Sondertreffen der Arabischen Liga
Am Wochenende will sich die Arabische Liga (AL) auf einem Sondertreffen in Kairo erneut mit der Lage in Syrien befassen. Sie will einen Vorschlag von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon prüfen, eine gemeinsame Beobachtermission nach Syrien zu entsenden. Im Januar hatte die AL eine Beobachtermission unter Protest abgebrochen, weil Assad seine Soldaten vor den Augen der Beobachter gewaltsam gegen die Opposition vorgehen ließ.
US-Präsident Barack Obama sprach von einem Blutbad und schockierenden Bildern. Er forderte Assad auf, die Gewalt zu beenden. Syriens Opposition bat die Weltgemeinschaft um Unterstützung. Sie forderte die Bundesregierung auf, die diplomatischen Beziehungen zu Syrien abzubrechen.
Die EU prüfte weitere Sanktionen gegen das Regime, so sollten Verbindungen zur syrischen Zentralbank gekappt werden. Deren Währungsreserven in Höhe von 20 Milliarden Dollar sind seit Ausbruch der Krise gewaltig geschrumpft. Militärisch scheint Assad seine Herrschaft zu stabilisieren, ökonomisch aber spitzt sich die Lage dramatisch zu.
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