Der Nuklear-Experte Michael Sailer hält eine kritische Bewertung des Konzepts für notwendig, mit dem die Betreiber das umstrittene Atomendlager Asse gegen den Austritt von Radioaktivität sichern wollen. Es handele sich um eine im Zusammenhang mit Strahlung "nicht erprobte Technologie", sagte er im Gespräch mit der FR. Sailer ist Fachbereichsleiter beim Öko-Institut Darmstadt und Vorsitzender der Entsorgungskommission (ESK), die das Bundesumweltministerium berät. Die ESK soll untersuchen, ob es Alternativen der Asse-Schließung gibt.
Der Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, befürchtet: Das bei Wolfenbüttel gelegene Versuchsendlager, in das seit Jahren Wasser eintritt, könnte "unkontrolliert absaufen". Es handelt sich um zwölf Kubikmeter pro Tag, die im Bergwerk von den Decken und Wänden tropfen, dort mit Folien aufgefangen und in Tanks wieder zutage befördert werden. Die Stabilität des Deckgebirges sei nicht mehr gewährleistet, so die Betreiber. Daher wollen sie den Salzstock mit seinen großen Hohlräumen kontrolliert fluten - mit gesättigter Salzlösung. Das sorge dafür, dass "nahezu keine Umlösungs- und Zersetzungprozesse" an diesem Gestein stattfinden werden". Zudem sollen die Atommüll-Kavernen mit dicken Betonpfropfen verschlossen werden.
In der Schachtanlage Asse II, einem alten Salzbergwerk bei Wolfenbüttel in Niedersachsen, hat das Helmholtz- Zentrum München (früher: Gesellschaft für Strahlenforschung) von 1967 bis 1995 Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Endlagerung von Atomabfällen vorgenommen.
Zwischen 1967 und 1978 wurden hier 124.494 Fässer mit schwach radioaktiven und 1293 Fässer mit mittelradioaktiven Abfällen eingelagert - und zwar "nicht rückholbar".
Nur 1,4 Kilometer entfernt liegt das schon 1906 wegen Wassereinbruchs stillgelegte Salzbergwerk Asse I.
Sailer warnt davor, das Konzept "unter Zeitdruck" durchzuwinken. Auch wenn die Gefahr bestehe, dass der Wasserzufluss plötzlich stark zunimmt, müsse sichergestellt werden, dass ein Befüllen der Asse mit den großen Mengen Salzlösung die radioaktiven Stoffe nicht sogar mobilisiere.
Die Metallfässer, in denen das eingelagerte schwach- und mittelradioaktive Material verpackt wurden, stellen keine sichere Barriere dar. Sie korrodieren im Lauf der langen Lagerzeit im Salz. Die Stoffe, zum Beispiel kontaminierte Metallabfälle, Filter und Schlämme, wurden von 1967 bis 1978 in Asse untergebracht.
Das Bergwerk, in dem Verfahren für die Einlagerung vom Atommüll in Salzstöcken getestet wurden, ist wieder in die Diskussion geraten. Es wurde bekannt, dass in 750 Metern Tiefe rund 70 Kubikmeter radioaktiv belastete Lauge ausgetreten war. Die zulässigen Grenzwerte werden bis zum Zwölffachen überschritten.
Sailer sieht noch "Aufklärungsbedarf", wie es zu der Verseuchung gekommen ist. Die Plausibilität der gemachten Erklärungsversuche sei bisher nicht erwiesen. Analysen ergaben, dass das inzwischen kontaminierte Wasser, aus Einschlüssen im Salzstock selber und nicht von außerhalb stammt.
Das Umweltministerium in Berlin hat die ESK beauftragt, die Betreiberlisten zu prüfen, die Auskunft über Art und Herkunft der eingelagerten Materialien geben. Bestätigt ist Sailer zufolge bisher, dass in "einigen wenigen" Fässern Kernbrennstoffe waren, doch keine hochradioaktiven, die Wärme erzeugen. Letzteres hatten die niedersächsischen Grünen behauptet. Sie fanden auf den Listen den Eintrag "Brennstäbe in Blechdosen". Laut Sailer handelt es sich wahrscheinlich nicht um Material aus kommerziellen AKW, sondern aus Forschungsreaktoren.
Sailer sieht durch die Asse-Probleme die grundsätzliche Eignung von Salzstöcken für Endlager jedoch nicht in Frage gestellt. "Wenn man die richtigen Kriterien wählt, spricht nichts gegen Salz- oder auch Tongestein als Endlagermedium." Eine Vorfestlegung auf Gorleben als nationales Endlager hält der ESK-Chef für falsch. Es sei sinnvoll, mehrere Standorte zu miteinander vergleichen.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.