Die unsichere Lage in ihrem Heimatland treibt immer mehr Flüchtlinge aus Afghanistan nach Europa. In Deutschland wird die Zahl der neu einreisenden afghanischen Asylbewerber dieses Jahre voraussichtlich den höchsten Stand seit 2001 erreichen.
Allein in den ersten sieben Monaten 2009 stellten 1445 Afghanen einen Asylantrag - mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr zuvor. Dabei hatte sich die Zahl der schutzsuchenden Afghanen in Deutschland bereits 2008 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.
Nach der Entmachtung der Taliban war die Zahl der afghanischen Flüchtlinge zunächst stetig gesunken. 2007 war Afghanistan erstmals nicht mehr unter den Top-Ten der Asylherkunftsländer in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2009 ist es jetzt hingegen schlagartig auf Platz zwei gerückt, gleich hinter dem Irak.
Einen ähnlichen Anstieg verzeichnen auch die anderen europäischen Staaten. 2008 machte die Zahl der afghanischen Asylsuchenden in Europa einen deutlichen Sprung nach oben. Mit knapp 18.000 Flüchtlingen suchten doppelt so viele Afghanen Schutz in Europa wie im Jahr davor. Für 2009 zeichnet sich ähnlich wie für Deutschland ein Höchststand ab.
Kein Abschiebestopp
Von Januar bis Juli beantragten bereits 10 000 afghanische Flüchtlinge Asyl in Europa. Nach Einschätzung der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl liegt die tatsächliche Zahl der Schutzsuchenden sogar noch deutlich höher. Denn viele Afghanen reisen über Griechenland ein. Dort aber werden sie meist als Illegale festgehalten und nicht als Asylsuchende registriert.
Deutschland gewährt den allermeisten Afghanen, die derzeit hier Asyl suchen, zumindest Schutz vor Abschiebung. Rund 70 Prozent erhielten ein vorläufiges Aufenthaltsrecht nach der Genfer Flüchtlingskonvention oder aus humanitären Gründen zugesprochen. Einen Abschiebestopp nach Afghanistan gibt es jedoch nicht, und einige Bundesländer haben in der Vergangenheit auch in Einzelfällen afghanische Flüchtlinge nach Kabul abgeschoben.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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