Athen. Bevor am frühen Nachmittag Hunderttausende Studenten und Schüler zur Trauerfeier für den von einer Polizeikugel getöteten Andreas-Alexandros G. erwartet werden, hat sich die Lage in Athen nach drei Tagen schwerer Ausschreitungen beruhigt.
Um die Mittagszeit sollen jedoch weitere Schüler- und Studentenproteste gegen Polizeigewalt geplant sein. Die Sicherheitskräfte befürchten, dass Chaoten erneut zu randalieren versuchen könnten, berichtete das Staatsradio.
Nach griechischen Medienangaben gab es am Morgen nur noch sporadische Aktionen rund um die Technische Universität, in der sich noch einige Dutzend Randalierer verbarrikadiert hatten. "Nacht des Terrors", lautete der Tenor in der Zeitung "Apogevmatini". Die Polizei bleibt weiterhin in höchster Alarmbereitschaft. Auch auf dem Friedhof der Athener Vorstadt Palaio Faliro, der letzten Ruhestätte des 15-Jährigen, sind scharfe Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen.
Das griechische Kultusministerium hat den Dienstag zum Tag der Trauer erklärt. Landesweit bleiben alle Schulen geschlossen. Am Nachmittag wollen Studenten und Schüler im Zentrum Athens des Jungen gedenken. Am Abend ist eine Demonstration mit Kerzen geplant, zu der die Sozialistische Oppositionspartei einlädt.
Von Molotowcocktails verwüstet
Am Montagabend hatten Gewalttäter in Athen und anderen griechischen Städten schwere Verwüstungen angerichtet. Tausende Vermummte zogen durch das Stadtzentrum, zertrümmerten Schaufenster und steckten mit Molotowcocktails Geschäfte und Bankfilialen in Brand. Zahlreiche Gebäude am Omoniaplatz und am Syntagmaplatz sowie in den umliegenden Straßen standen in Flammen.
Demonstranten verwüsteten alles, was ihnen in den Weg kam. Entlang der drei großen Einkaufsstraßen Panepistimiou, Stadiou und Skoufa sowie rund um den zentralen Syntagmaplatz brannten nahezu alle Geschäfte. Gewalttäter erreichten am Abend auch den eleganten Kolonaki-Platz, wo viele Politiker des Landes wohnen und zerstörten auch dort alle Geschäfte. Passanten flohen in Panik in alle Richtungen. Die Polizei setzte massiv Tränengas ein, was aber ohne merkbare Wirkung auf die Randalierer blieb.
Neben Athen waren Thessaloniki und mindestens acht andere Städte Schauplatz von schweren Ausschreitungen. Wie die Polizei am Dienstagmorgen mitteilte, wurden 173 Menschen festgenommen. Darunter waren zahlreiche Plünderer. Über 100 Menschen erlitten Medienberichten zufolge Verletzungen. Der Vorsitzende des griechischen Journalistenverbandes, Panos Sombolos, sprach von den schwersten Unruhen seiner 30 Berufsjahre.
Am Morgen wollte sich Ministerpräsident Kostas Karamanlis mit Staatspräsident Karolos Papoulias und den Vorsitzenden der griechischen Parteien treffen. Ein Regierungssprecher dementierte Gerüchte, dass ein landesweiter Ausnahmezustand ausgerufen werden könnte. Im Mittelpunkt der Unterredungen steht die Frage, wie der Staat mit den tausenden Chaoten fertig wird, die in den vergangenen zwei Tagen Athen und andere Städte verwüstet haben. "In erster Linie wollen wir Menschenleben schützen", sagte am Dienstagmorgen Innenminister Prokopis Pavlopoulos. (dpa/FR)
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