Washington. Im Atomstreit mit dem Iran streben die USA trotz deutlicher Widerstände im UN-Sicherheitsrat neue Sanktionen an. Ein US-Entwurf für härtere Strafen, der seit Mittwoch in diplomatischen Kreisen kursiert, nimmt vor allem Teherans Revolutionäre Garden sowie iranische Banken ins Visier. Berichten zufolge soll die in früheren UN-Resolutionen geforderte "Zurückhaltung" etwa bei Rüstungsgeschäften in ein klares Verbot umformuliert werden.
Auch will Washington demnach die Zentralbank der Islamischen Republik auf die schwarze Liste jener Geldinstitute setzen lassen, die mit Sanktionen belegt werden. Dadurch könnte es dem Iran unmöglich werden, auf internationalen Kreditmärkten Investoren für Staatsanleihen zu finden. Der Druck auf die Garden soll verstärkt werden, weil sie nach westlicher Einschätzung die Aufsicht über das iranische Atomprogramm führen. Reisebeschränkungen für Spitzen-Gardisten sollen ausgeweitet, von ihnen kontrollierte Firmen mit neuen Sanktionen belegt werden.
Russland ist wie der Westen über das iranische Nuklearprogramm besorgt. Aber grundsätzlich vertritt Moskau die Auffassung, dass Sanktionen kein gutes Mittel sind, ein Regime zur Räson zu bringen. Angesichts der zunehmenden Indizien, dass die Iraner konsequent Atomwaffen entwickeln, hat Russland seine Haltung mittlerweile revidiert.
Verärgert ist Moskau, weil der Iran alle Vorschläge zur Anreicherung von Uran-Brennstäben in Russland abgelehnt hat. Mitte Februar forderte die Sprecherin des russischen Präsidenten den Iran auf, mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) zusammenzuarbeiten: "Wenn der Iran diese Verpflichtungen nicht erfüllt, kann niemand Sanktionen ausschließen."
Bisher glaubten die Russen, über technische Hilfe Einfluss auf Teheran ausüben zu können. Sie zögern die Fertigstellung eines Atomkraftwerks in Bushehr hinaus und halten die Lieferung von 2005 bestellten Luftabwehrsystemen S-300 zurück. Der Iran ist stärker von Russland abhängig als umgekehrt.
China bezieht 15 Prozent seiner Ölimporte aus dem Iran. Nur Japan kauft noch mehr. Wegen der Abhängigkeit seines Energiesektors will es sich China nicht mit Teheran verderben.
Der chinesische Außenminister Jang Jiechi erklärte daher im Februar, dass er sich notfalls allein im UN-Sicherheitsrat gegen Iran-Sanktionen stemmen würde. Er verlangt weitere diplomatische Bemühungen. Bei den drei bisherigen Sanktionsbeschlüssen hatte sich China der Stimme enthalten.
Für den Iran ist China mittlerweile der wichtigste Handelspartner. China liefert den Iranern neben Verbrauchs- und Investitionsgütern auch militärische Spitzentechnologie, vor allem für den Bau von Raketen. Von den Gefahren des Nahostkonflikts fühlt sich Peking wenig betroffen.
Überzeugen will US-Außenministerin Hillary Clinton die Chinesen davon, dass ein atomarer Rüstungswettlauf die Ölversorgung Chinas schwer beeinträchtigen würden. Ähnliche Argumente haben vergangene Woche auch israelische Regierungsvertreter in Peking vorgetragen. Laut der israelischen Zeitung Haaretz sollen sie dabei den Chinesen auch ihre Geheimdiensterkenntnisse über die atomaren Rüstungspläne des Iran vorgelegt haben. sim
Der mit Frankreich, Großbritannien und Deutschland eng abgestimmte US-Vorstoß traf umgehend auf Widerstand. Für China erklärte am Donnerstag ein Sprecher des Außenministeriums in Peking, die diplomatischen Bemühungen seien noch nicht erschöpft. Washington hofft, China von einem Veto abhalten und Russland für neue Sanktionen gewinnen zu können. Vorbehalte gibt es allerdings auch unter nichtständigen Mitgliedern im UN-Sicherheitsrat.Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva sagte am Mittwoch noch vor einem Treffen mit US-Außenministerin Hillary Clinton, es sei "nicht klug", Teheran in eine Ecke zu drängen. Die Türkei und der Libanon haben sich ebenfalls skeptisch gegenüber neuen Sanktionen geäußert. In Washington wird spekuliert, eine Iran-Resolution könne diesmal - wenn überhaupt - womöglich nur mit 11 der 15 Stimmen im Sicherheitsrat verabschiedet werden. Der Iran könnte eine solche Resolution als Signal interpretieren, dass die Geschlossenheit der internationalen Gemeinschaft bröckelt. Drei frühere Sanktionsrunden waren einstimmig oder bei nur einer Enthaltung verabschiedet worden.
In jedem Fall dürfte der Resolutionsentwurf in den kommenden Wochen aufgeweicht werden, um Russland und China entgegenzukommen. Deutlich schärfere Forderungen Frankreichs, auch Irans lebenswichtige Ölindustrie ins Visier zu nehmen, hatten die USA bereits als unrealistisch verworfen.
Angestrebt wird eine UN-Resolution bis Ende April, wenn in New York die achte Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag beginnt.
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