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Atomare Abrüstung: Tausend gute Gründe

Stellvertretend für mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung erklären fünf Nobelpreisträger in der Frankfurter Rundschau, warum sie gegen die atomare Rüstung sind.

Mike hieß die erste Wasserstoffbombe, die die USA auf den Marshall-Inseln im Pazifik zündeten.
"Mike" hieß die erste Wasserstoffbombe, die die USA auf den Marshall-Inseln im Pazifik zündeten.
Foto: getty

Das Schwungrad in New York

Die Vereinten Nationen sollen sich stärker für die atomare Abrüstung einsetzen. Von Michail Gorbatschow, Friedensnobelpreis 1990

Michail Gorbatschow leitete als Präsident der Sowjetunion in den 90ern das Ende des Kalten Krieges ein.
Michail Gorbatschow leitete als Präsident der Sowjetunion in den 90ern das Ende des Kalten Krieges ein.
Foto: dpa

In der heutigen Zeit, die geprägt ist von den globalen Krisen, steht an vorderster Front die Bedrohung durch Atomwaffen, durch ihre Arsenale, die Gefahr der Weiterverbreitung, die Gefahr, dass sie in die Hände von Terroristen fallen, die Gefahr von technischen Fehlern oder Explosionen auf Grund eines Unfalls. All dies lässt uns nicht ruhig schlafen.

Als ich mich Mitte der 80er Jahre mit dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan darauf einigte, dass ein Atomkrieg nicht geführt werden kann und wir die Abschaffung der Atomwaffen mit dem ABM-Vertrag in Angriff nahmen, hegte ich die Hoffnung, damit würde das "alte Denken" überwunden.

Inzwischen gab es viele positive Veränderungen bis hin zum Ende des Kalten Krieges. Aber unsere Hoffnung auf eine neue demokratische Weltordnung hat sich nicht erfüllt.

Wir müssen unser Ziel, die Abschaffung der Atomwaffen, wieder ganz oben auf die politische Agenda setzen, als Verbindung zwischen dem moralischen Imperativ - der Vernichtung dieser Waffen aus ethischer Sicht - und der widersinnigen Annahme, sie würden Sicherheit produzieren.

Die Ironie ist, dass zwei Dekaden nach dem Kalten Krieg die Welt immer noch die Bürde riesiger Atomarsenale trägt, schon Teile davon können unseren Planeten komplett zerstören.

Ich rufe dazu auf, einen Dialog im Rahmen des Atomwaffensperrvertrags zu etablieren, zwischen den Atomwaffen- und Nicht-Atomwaffen-Staaten. Das Ziel muss ein gemeinsames Konzept für eine atomwaffenfreie Welt sein, die Entwicklung einer Atomwaffenkonvention analog der Konventionen über das Verbot und die Vernichtung biologischer und chemischer Waffen.

Die Vereinten Nationen müssen sich stärker als heute für dieses Ziel einsetzen.

Nachdem die USA und Russland nun das neue Start-Abkommen unterzeichnet haben, ist es notwendig, dass die USA jetzt auch dem Teststop-Abkommen beitreten.

Danach müssen auch die anderen Nuklearmächte, und zwar alle: die anerkannten und die inoffiziellen, erklären, ihre Anzahl der Atomwaffen einzufrieren und Verhandlungen über die Reduzierung bis zur Vernichtung aller Atomwaffen aufzunehmen.

Die Mitglieder des Nuklearen Clubs (USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien) müssen als ersten Schritt das Atomteststop-Abkommen unterzeichnen und die Rolle der Nuklearwaffen in ihren Militärdoktrinen streichen. Denn diese stammen noch aus den Zeiten des Kalten Krieges. Gleichzeitig müssen alle Staaten ihre Nuklearenergie-Programme beenden, um deren militärische Nutzung zu verhindern.

Wenn diejenigen, die die größten Arsenale besitzen, mit einer realen Reduzierung ihrer Waffen beginnen, werden auch die anderen nicht abseits stehen und den Verhandlungen beitreten.

Unser Ziel ist eine Bewegung für eine nuklearfreie, gewaltfreie, demilitarisierte und sichere Welt für alle. Ich bin überzeugt davon, dass dieses Ziel im Interesse aller Länder und Völker ist.

Die Vereinten Nationen sind das unabdingbare Forum hierfür. Sie können und müssen die großen und kleinen Staaten zusammenbringen und eine Schlüsselrolle in diesem Prozess der atomaren Abrüstung spielen.

Lesen Sie, was Jimmy Carter denkt...

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Datum:  29 | 5 | 2010
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