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Atomenergie: Gabriel will Bundesaufsicht

Umweltminister Sigmar Gabriel fordert eine Bundesaufsicht über deutsche Atommeiler. Dabei setzt er sich auch für das Ende des AKW Krümmel ein und kritisiert den Betreiber Vattenfall.

Das Brennelemente-Lagerbecken des Atomkraftwerks Krümmel. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) rügte die geringe Sicherheitskultur des Betreibers Vattenfall.
Das Brennelemente-Lagerbecken des Atomkraftwerks Krümmel. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) rügte die geringe Sicherheitskultur des Betreibers Vattenfall.
Foto: dpa

Berlin. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat den Energiekonzern Vattenfall Europe als Betreiber des Atomkraftwerks (AKW) Krümmel in Schleswig-Holstein wegen der mehrfachen Pannen des Meilers scharf kritisiert.

Vor Beginn der Sitzung des Bundestags-Umweltausschusses rügte Gabriel am Mittwoch die geringe Sicherheitskultur des Unternehmens. Der Minister forderte zugleich ein baldiges Ende der ältesten Atommeiler in der nächsten Wahlperiode. Damit werde es auch sinnvoll, die Atomaufsicht in Bundeshand zu konzentrieren.

Die Grünen verlangten die sofortige Abschaltung des AKW Krümmel. Sie hatten die Sitzung des Umweltausschusses beantragt. Hans-Kurt Hill, energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken, kritisierte Gabriel. "Die Verantwortung für die gefährlichen Störfälle im Atomkraftwerk Krümmel liegt beim Bundesumweltminister. Auch wenn der oberste Atomaufseher die Schuld allen anderen Beteiligten zuschiebt: Am Ende ist es das Versagen der Person Sigmar Gabriel", sagte er in einer Pressemitteilung.

Mehrere Störfälle im Atomkraftwerk Krümmel in Geesthacht (Schleswig-Holstein) haben die Debatte über Kernkraft angeheizt. Nach fast zwei Jahren Stillstand ging der Meiler im Juni 2009 wieder ans Netz, wurde aber knapp zwei Wochen später erneut abgeschaltet.

Ein Rückblick:

28. Juni 2007: In einer Trafostation auf dem Gelände des Werks bricht Feuer aus. Krümmel geht per Schnellabschaltung vom Netz.

3. Juli: Der Brand hat mehr Störungen verursacht als bisher bekannt. Nach Angaben des für Atomaufsicht zuständigen Kieler Sozialministeriums war auch das Reaktorgebäude betroffen.

13. Juli: Der Betreiber Vattenfall räumt in einem Zwischenbericht Kommunikationsprobleme beim Kraftwerkspersonal ein.

16. Juli: Nach dem Informations-Desaster um Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel trennt sich Vattenfall Europe vom Chef seiner Atom-Sparte, Bruno Thomauske. Konzernsprecher Johannes Altmeppen erklärt seinen Rücktritt.

18. Juli: Vattenfall-Europe-Chef Klaus Rauscher tritt zurück.

4. Februar 2008: In Krümmel gibt es in einer Lüftungsanlage des Reaktors einen Schwelbrand, der sofort gelöscht werden kann.

19. Juni 2009: Nach fast zwei Jahren Stillstand kann Krümmel wieder ans Netz gehen. Die Atomaufsicht erteilt Vattenfall die Genehmigung. Kurz danach gibt es einen Defekt in der Elektronik.

1. Juli: Nach dem Ausfall eines Eigenbedarfstransformators schaltet sich die Turbine der Anlage automatisch ab. Der Zwischenfall geht laut Vattenfall auf menschliches Versagen zurück. Einige Stunden später wird die Anlage mit verminderter Leistung wieder aktiviert.

4. Juli: Nach einem Kurzschluss in einem Transformator schaltet sich der Reaktor ab. Krümmel steht wieder still.

7. Juli: Vattenfall räumt Fehler ein und kündigt einen monatelangen Stillstand des Meilers an. Dem Konzern zufolge war eine Mess-Einrichtung des Transformators vor dem Wiederanfahren des Atomkraftwerks nicht installiert worden. Der bisherige Kraftwerksleiter wird von seinen Aufgaben entbunden.

9. Juli: Es hat mehr Störungen gegeben als bisher bekannt. Laut Vattenfall wurde mindestens ein defekter Brennstab entdeckt.

13. Juli: Vattenfall beginnt damit, alle rund 80 000 Brennstäbe in Krümmel zu untersuchen.

16. Juli: Das Unternehmen ersetzt den beschädigten Brennstab. (dpa)

Datum:  26 | 8 | 2009
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