Ein Endlager in Süddeutschland? "Nicht mit uns." Die Ministerpräsidenten der unionsregierten Länder Baden-Württemberg und Bayern intervenierten persönlich bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU), als Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) 2006 die Endlagersuche auch auf den Süden der Republik ausdehnen wollte. Mit Erfolg.
Wenn es dem Nachbarn gefällt
Doch zumindest Baden-Württemberg dürfte ein nahes Endlager für stark strahlenden Atommüll kaum abwehren können: das künftige Entsorgungszentrum für schweizer Atommüll, das nur wenige Kilometer hinter der Grenze zum Nachbarland gebaut werden wird.
Vorige Woche fiel eine wichtige Vorentscheidung in der auch in der Schweiz heftig umkämpften Standort-Frage. Alle drei möglichen Endlager für abgebrannte Brennelemente und andere hoch radioaktiven Reststoffe liegen laut dem Bundesamt für Energie in den Grenz-Kantonen Schaffhausen, Zürich und Aargau. Die Orte heißen Bözberg, Zürcher Weinland und Nördlich Lägern. Die Auswahl orientiere sich allein an der Eignung der Gesteinsformationen und an "technischer Machbarkeit". Die Alpen und der Faltenjura kamen nicht in Frage. Dort ist die Gebirgsbildung noch in Gang.
Offen blieb, ob ein "Kombi-Lager" gebaut wird, das auch den mittel und schwach radioaktiven Abfall aufnehmen soll, oder getrennte Lager. Für den weniger "heißen" Müll hat die Behörde drei weitere mögliche Standorte ausgewählt. Einer davon, Südranden, liegt ebenfalls an der Grenze zum nördlichen Nachbarn.
Die endgültige Entscheidung über den oder die beiden Standort(e) fällt 2018. Bis dahin läuft ein Stufenkonzept ab. Als nächstes sollen die Bürger der Regionen in Informationsveranstaltungen über die Pläne aufgeklärt werden.
Protest war zu erwarten, und er kam postwendend - sowohl in der Schweiz als auch in Baden-Württemberg. Allerdings heizt die schweizer Auswahl auch die deutsche Debatte über die Endlagersuche an. Tongesteine, wie Bern sie für besonders geeignet hält, um Atommüll eine Million Jahre sicher abzuschließen, gibt es auch in Baden-Württemberg - in der Region Ulm und im Kreis Konstanz. Ebenfalls als Endlagermedium denkbar ist Granit, und hier käme Bayern ins Rennen.
Experten halten zumindest die Opalinus-Tongesteine für mindestens genauso endlagergeeignet wie die Salzstöcke. Auf Salz, das nur sicher ist, wenn Wasserzutritt ausgeschlossen wird, hatten sich die deutschen Atomplaner in den 1970er Jahren festlegt. Der Ton hat hier Vorteile: Er ist absolut wasserdicht, und anders als in Salz kann man hier ein Endlager so bauen, dass es noch mehrere Jahrhunderte lang zugänglich ist. Der Atommüll bliebe rückholbar.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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