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Atomkraft: Experten gegen Laufzeitverlängerung

Die Umweltberater der Bundesregierung machen Front gegen die geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. Um wie geplant auf Ökostrom umzustellen, sei weder ein verzögerter Ausstieg noch der Bau neuer Kraftwerke notwendig. Von Joachim Wille

Jetzt machen auch Regierungsberater gegen die geplante Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken Front.
Jetzt machen auch Regierungsberater gegen die geplante Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken Front.
Foto: dpa

Die Umweltberater der Bundesregierung machen Front gegen die von Schwarz-Gelb geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. Um die Elektrizitätsversorgung wie geplant bis 2050 voll auf Ökostrom umzustellen, sei weder ein verzögerter Atomausstieg noch der Bau neuer Kohlekraftwerke notwendig, argumentiert der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU). Der SRU ist ein Wissenschaftlergremium, das dem Bundesumweltministerium zuarbeitet.

Die Experten widersprechen damit dem Plan der Regierung, die Atomkraft als "Brückentechnologie" zum Umstieg in die erneuerbaren Energien zu nutzen. Schwarz-Gelb lässt derzeit Energieszenarien berechnen, die von einem Laufzeitplus zwischen acht und 28 Jahren ausgehen. Die soll bis zum Herbst in ein Energiekonzept münden. Der SRU-Energie-Experte, Professor Olav Hohmeyer, sagte dazu: "Die Brücke zu den erneuerbaren Energien steht bereits." Das Gremium präsentierte seine Szenarien zum Vollumstieg auf Ökostrom am Mittwoch im Umweltausschuss des Bundestags.

Die Wissenschaftler argumentieren, dass Windkraft, Solarenergie und Biomasse-Nutzung grundsätzlich bereits mit den heute verfügbaren Technologien die Strom-Vollversorgung in Deutschland und Europas leisten könnten. Hierzulande beträgt der Ökostrom-Anteil derzeit rund 17 Prozent, bis 2020 soll er auf mindestens 30 Prozent ansteigen und bis 2050 auf 100 Prozent.

Laut SRU müssten dafür der Neubau von Öko-Kraftwerken moderat zunehmen und bis 2020 pro Jahr sechs bis acht Gigawatt Leistung erreichen. "Dies würde den Trend der vergangenen Jahre fortsetzen", schreiben die Forscher in ihrer Stellungnahmen, und dies sei von der Öko-Energie-Branchen auch zu bewältigen. Danach könnte der Zubau wieder abnehmen.

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Eine Notwendigkeit, den Atomstromanteil hoch zu halten, sehen die Forscher nicht - ganz im Gegenteil. Sie warnen sogar davor, dass durch "signifikante Laufzeitverlängerungen Überkapazitäten im System entstehen". Die AKW und die vorhandenen beziehungsweise bereits im Bau befindlichen Kohlekraftwerke sollten vielmehr sukzessive abgeschaltet werden. Der SRU kalkuliert dabei mit einer Lebensdauer von jeweils rund 35 Jahren.

Die konventionellen Kraftwerke seien "auf Dauer nicht mit der erneuerbaren Stromerzeugung vereinbar, da ihre Leistung nicht schnell genug an die Schwankungen der Wind- und Sonnenenergie angepasst werden kann". Ein dauerhaftes Nebeneinander von konventioneller und wachsender erneuerbarer Stromerzeugung mache "das System ineffizient und unnötig teuer".

Die Experten fordern aber einen moderaten Neubau von leicht regelbaren Gaskraftwerken und den Ausbau der Stromnetze sowie von Speichermöglichkeiten für den Ökostrom - letzteres sowohl in Deutschland als auch europaweit: "Hier muss dringend und rasch gehandelt werden."

Die Sorge, die Elektrizität werde bei Umstellung auf 100 Prozent Ökostrom und bezahlbar, teilt der SRU nicht. Die Stromproduktion werde dann wahrscheinlich mittelfristig sogar billiger als in einem System, bei dem Öko- und CO2-arme konventionelle Kraftwerke gemeinsam betrieben werden, sagt der Rat voraus.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  5 | 5 | 2010
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