Tokio. Fast anderthalb Jahrzehnte nach einem schweren Unfall hat die japanische Atomenergiebehörde den Schnellen Brüter Monju (Weisheit) wieder in Betrieb genommen. Der Reaktor-Prototyp im mitteljapanischen Tsuruga benutzt eine Mischung aus Plutonium und Uran als Brennstoff und erzeugt im laufenden Betrieb neues Plutonium. Das Kraftwerk soll nun bis 2013 schrittweise auf die volle Leistung von 280 Megawatt hochgefahren werden.
Der Versuchsbrüter war im Dezember 1995 nach nur vier Monaten Betrieb stillgelegt worden, nachdem aus einem Leck 640 Kilogramm flüssiges Natrium gelaufen und in Brand geraten waren. Zwar gab es weder Verletzte noch trat Radioaktivität aus, aber der Betreiber hatte die schweren Unfallschäden zunächst vertuscht. Seitdem hatten langwierige Gerichtsverfahren und technische Probleme die Inbetriebnahme von Monju immer wieder verzögert. Die Anwohner stimmten ihr jetzt nach langem Zögern nur zu, weil die Region Fukui von der Zentralregierung wirtschaftliche Hilfen erhalten wird.
Nach den USA und Frankreich stehen in Japan die meisten Kernkraftwerke. Derzeit erzeugen 54 AKW knapp ein Drittel des Stroms. Dieser Anteil soll mit 14 weiteren Anlagen bis 2030 auf die Hälfte steigen, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu senken.
Mit der Brütertechnik will Japan einen geschlossenen Plutoniumkreislauf aufbauen. Im Oktober soll in Rokkasho eine Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennelemente in Betrieb gehen. Eine Fabrik für Mischoxid-Brennstoff aus Uran und Plutonium wird 2015 fertiggestellt. (mafr)
"Die Sicherheit hat höchste Priorität", versprach der japanische Atombehördenchef Toshio Okazaki beim Neustart in Tsuruga. Dagegen warnten Kritiker vor einem neuen Unfall, die Regierung spiele "russisches Roulette". Die Kühlleitungen seien nicht vollständig überprüft worden, erklärten die Atomkraftgegner des "Nuclear Information Center" in Tokio. Das Kraftwerk stehe zudem auf zwei neu entdeckten geologischen Verwerfungen und sei nicht erdbebensicher. Darüber hinaus verlangte Ko-Direktor Hideyuki Ban die komplette Aufgabe des Brüterprogramms. "Dieser Neubeginn ist nur eine bürokratische Übung", meinte Ban. Monju sei technisch überholt und der Testbetrieb sinnlos. Während die Welt über nukleare Sicherheit rede, würde Monju waffentaugliches Plutonium erzeugen. Doch die Regierung träumt weiter von einer "unbegrenzten Atomenergie" durch eine Plutoniumwirtschaft mit Schnellen Brütern. Der erste Demonstrationsreaktor soll bis 2025 fertig sein, die Stromerzeugung 2050 beginnen. Bis 2100 wäre Japan in der Energieversorgung autark und würde dabei kaum Treibhausgase erzeugen.
"Ein Leichtwasserreaktor nutzt nur ein Prozent des Urans, ein Brüter 70 bis 80 Prozent", begründete Shunsuke Kondo, Vorsitzender der Atomenergiekommission die 920 Milliarden Yen (etwa 7,6 Milliarden Euro), die Monju seit 1980 gekostet hat. Der Betrieb verschlingt jährlich weitere 190 Millionen Euro.
Dabei bezweifeln inzwischen selbst die Befürworter, ob Monju neue Erkenntnisse bringt. Von den 180 Technikern von 1995 seien nur noch 50 dabei, meinte Keizo Okada, Präsident von Mitsubishi FBR Systems. Das schränke den Nutzen des Testbetriebs ein.
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