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Atomkraftgegner: Streit um Gorleben spitzt sich zu

Umweltminister Gabriel dringt auf einen Vergleich mehrerer Standorte für ein hochradioaktives Endlager. Atomgegner fordern einen Verzicht auf den Standort Gorleben.

Ein symbolisches, überdimensionales Atommüllfass, steht in Splietau neben Wohnhäusern (22.10.08). Elf Behälter mit atomarem Restmüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague sollen von rund 15.000 Polizisten bewacht voraussichtlich Anfang November in das Zwischenlager Gorleben transportiert werden.
Ein symbolisches, überdimensionales Atommüllfass, steht in Splietau neben Wohnhäusern (22.10.08). Elf Behälter mit atomarem Restmüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague sollen von rund 15.000 Polizisten bewacht voraussichtlich Anfang November in das Zwischenlager Gorleben transportiert werden.
Foto: ddp

Berlin/Gorleben. Der Streit um ein nationales Endlager für hochradioaktiven Müll ist kurz vor Beginn einer internationalen Anhörung zu diesem Thema neu entbrannt. Während Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf einen Vergleich mehrerer Standorte dringt, fordern Atomgegner den Verzicht auf den Standort Gorleben. Auf Einladung Gabriels beraten von Donnerstag bis Samstag etwa 350 Fachleute in Berlin über Voraussetzungen und Sicherheitsanforderungen bei der Standortsuche.

Ein transparenter Vergleich mehrerer Alternativen nach objektiven Kriterien sei notwendig, um die höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten, sagte Gabriel am Mittwoch. Gleichzeitig kritisierte er die Ablehnung eines Standortvergleichs durch die Union. Wer sich frühzeitig auf den Standort Gorleben festlege, riskiere, dass es bis 2035 gar kein Endlager gebe, da Gorleben bei einem gerichtlichen Überprüfungsverfahren scheitern könnte.

Über die Eignung des Salzstocks bei Gorleben gebe es bislang noch keine hinreichenden Erkenntnisse, fügte Gabriel hinzu. Man könne Gorleben aber auch nicht ausschließen. Da bereits hohe Summen in den Standort investiert worden seien, komme eine Alternative nur bei einem wirklich höheren Sicherheitsgewinn in Frage.

Die wendländische Initiative "X-tausendmalquer" forderte von Gabriel, Konsequenzen aus den Pannen im Atommülllager Asse zu ziehen. "Aus Asse lernen, heißt auf Gorleben verzichten und den Atomausstieg umsetzen", sagte Sprecher Jochen Stay.

Die radioaktiven Abfälle müssten für eine Million Jahre sicher verwahrt werden. Im Salzbergwerk Asse, das einzustürzen und voll Wasser zu laufen droht, sei dies nicht einmal für wenige Jahre gelungen. Trotzdem werde jeden Tag in den Reaktoren weiter Atommüll produziert, dies sei ein "Skandal auf Kosten der kommenden Generationen".

Robin Wood verlangte Absage an Gorleben als Endlager

Auch die Umweltorganisation Robin Wood verlangte eine Absage an Gorleben als Endlager-Standort. Die von Gabriel propagierte Suche nach anderen Standorten finde bislang nicht statt, bemängelte Robin Wood-Sprecher Dirk Seifert.

Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms erklärte, sie fahre "mit gemischten Gefühlen" zum Endlagersymposium nach Berlin. Es habe in Deutschland nie einen ergebnisoffenen Vergleich von verschiedenen Lager-Optionen gegeben, stattdessen habe man sich früh einseitig auf Salzstöcke als geeignete Einlagerungsorte festgelegt.

Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, sagte, die Asse habe gezeigt, dass Salz eben nicht automatisch das beste Wirtsgestein sei. Die Links-Fraktion in Niedersachsen bezeichnete das Symposium als "Alibi-Show". Viel deute darauf hin, dass dort Gorleben als Endlagerstandort "hoffähig gemacht werden soll".

Zum Auftakt des Symposiums wollen Atomkraftgegner am Donnerstag gegen ein Endlager in Gorleben protestieren. Vor dem Veranstaltungsort wollen sie einen etwa sieben Meter hohen Förderturm errichten, um symbolisch Probebohrungen zur Erkundung eines Atommüllendlagers direkt unter der Hauptstadt vorzunehmen, kündigte eine Sprecherin der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg an. "Irgendwo muss der Müll ja hin", sagte sie. (ddp)

Datum:  29 | 10 | 2008
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