Remlingen. Um ein "plötzliches Absaufen" des maroden Atom-Lagers Asse in Niedersachsen zu verhindern, schließt der neue Betreiber, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), auch die umstrittene Flutung des früheren Salzbergwerks mit einer Magnesiumchloridlösung nicht aus. Sollten plötzlich unkontrolliert große Mengen Salzlaugen zufließen, müsse man die Stabilität der Asse sofort mit einer "Nassverfüllung" herstellen, sagte BfS-Präsident Wolfram König am Donnerstag bei einer Untertagefahrt in die Asse. "Wir müssen damit rechnen, dass es schlagartig zu einer Erhöhung der Zuflüsse kommt und das Bergwerk absäuft." Derzeit fließen täglich 12 000 Liter salzhaltiges Wasser ein. Woher es kommt, können die Experten bislang nicht sagen.
Zur Schließung des maroden Bergwerks prüft das Amt derzeit drei Optionen. Bei der "Vollverfüllung" bleiben die 126 000 Fässer mit Atommüll in ihren Lagerkammern, die mit Beton verschlossen werden. Dieses Konzept hat das BfS bereits für das DDR-Atomlager Morsleben beantragt. Bei der "Umlagerung" entsteht ein neues Endlager im Endlager - die Behälter werden von der bisherigen Haupt-Lagersohle in 750 Meter Tiefe in einen neuen Hohlraum noch tiefer unten transportiert. Vorteil dieser beiden Lösungen: Man muss die Strahlenabfälle nicht wieder über Tage holen.
Die dritte Option, die vor allem von den Asse-Anwohnern bevorzugt wird, sieht das Rückholen der Fässer, die sichere "Verpackung" und Zwischenlagerung des Mülls sowie schließlich die Endlagerung im Schacht Konrad bei Salzgitter vor. Nachteil: Die mit der aufwändigen Umlagerung beschäftigten Menschen wären möglicherweise hohen Strahlenbelastungen ausgesetzt. Für alle Optionen werden derzeit Machbarkeitsstudien erstellt. Bis Ende 2009, hofft BfS-Chef König, könnte die Entscheidung fallen - falls die Asse nicht vorher absäuft.
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