Remlingen. Es ist nur ein kurzer Grubenbesuch. Mit dem Förderkorb fährt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Donnerstag hinab auf die 750-Meter-Sohle des maroden Atommüll-Endlagers Asse, schaut sich ein paar einsturzgefährdete Kammern und Decken des ehemaligen Salzbergwerks bei Remlingen im Kreis Wolfenbüttel an, schon rumpelt der Aufzug wieder aufwärts.
Oben, in der zugigen Schachthalle, will der Minister dann eigentlich gemeinsam mit dem Chef des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, den Kriterienkatalog für die drei Optionen zur Schließung der Skandalmüllkippe vorstellen. Doch Gabriel wäre nicht Gabriel, wenn er die Gelegenheit nicht für eine Gesamtschau der Endlagerfrage nutzen würde.
Im 200 Kilometer entfernten Berlin spricht sich die Bundeskanzlerin und Noch-Koalitionspartnerin Angela Merkel (CDU) für eine weitere, wenn auch "ergebnisoffene", Erkundung des Salzstocks Gorleben aus, da erklärt Gabriel das Projekt erneut für tot. "Gorleben ist gescheitert."
Die neue Suche nach einem Endlagerstandort müsse nach einem vorher genau festgelegten Kriterienkatalog erfolgen, fordert der Minister. "Genau das aber ist in Gorleben nicht gemacht worden." Der Standort im Wendland sei vielmehr wegen seiner damaligen Zonenrandlage und dünnen Bevölkerungsdichte ausgewählt worden.
Transparentes Verfahren
Als Vorbild für ein transparentes Suchverfahren unter Beteiligung der betroffenen Bevölkerung preist Gabriel den Kriterienkatalog für die Asse-Schließung. Anhand von 18 Punkten sollen bis Ende des Jahres drei Optionen geprüft werden: der Verbleib der 126000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in den bisherigen Lagerkammern und das Verfüllen der Hohlräume mit Salzbeton; die Umlagerung in tiefere Schichten des Bergwerks oder die Rückholung sämtlicher Abfälle.
Kanzlerin Merkel sichert am Donnerstag aus Berlin ihre Unterstützung für eine "ordentliche Sanierung" zu. Der Wolfenbütteler Landrat Jörg Röhmann (SPD) als Mitglied der Asse-Begleitgruppe warnt allerdings vor zu viel Optimismus. "Es ist klar, dass es keine optimale Lösung geben wird." Jede Option habe immer auch erhebliche Nachteile.
Gabriel, der hier im Wahlkreis sein Bundestagsmandat verteidigen will, weist gleich auf einen hin. Bei einer Rückholung der Abfälle würden diese höchstwahrscheinlich in das genehmigte Endlager Schacht Konrad - wenige Kilometer von der Asse entfernt - verbracht werden. "Diese unangenehme Wahrheit muss man auch sagen." Und für die Kosten müsse die Energiewirtschaft aufkommen, das sei nicht Aufgabe des Steuerzahlers.
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