Bürgerinitiativen und Opposition sprachen von einem „Absurdistan“, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nannte den Vorschlag verantwortungslos: Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) will Atommüll zunächst für 100 bis 150 Jahre in einem Bunker oberirdisch zwischenlagern. „Ein solcher Bau könnte auf dem Gelände eines stillgelegten Kernkraftwerks entstehen“, erklärte Sander am Mittwoch in Hannover.
Es ist ein neuer Versuch der schwarz-gelben Landesregierung von Ministerpräsident David McAllister (CDU), aus der starren Festlegung auf Gorleben als Endlager für hochradioaktive Abfälle herauszukommen. Natürlich müsse der Salzstock im Wendland zu Ende erkundet werden, betonte Sander, verwies aber erneut auf Alternativen – vor allem auf die Tonschichten im nun grün regierten Baden-Württemberg. Als zusätzliche Variante forderte er die Bundesregierung auf, über ein oberirdisches Langfristzwischenlager nachzudenken. Diese Art der Aufbewahrung biete die Chance, den Abfall bei späterem wissenschaftlichen Fortschritt in einigen Jahrzehnten womöglich als Energieträger zu nutzen.
„Das ist der falsche Weg. Damit verlagern wir unangenehme Probleme auf künftige Generationen“, erklärte BfS-Präsident Wolfram König. Er verwies auf ein nachlassendes Sicherheitsbewusstsein nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ und warnte gleichzeitig vor möglichen Änderungen im politischen System. Man müsse verhindern, dass hochgefährliche Stoffe später vielleicht in die falschen Hände gerieten. König forderte eine schnelle Suche nach echten Alternativen zu Gorleben.
Der BfS-Chef teilte am Mittwoch außerdem mit, dass die Einsturzgefahr im Atommüll-Endlager Morsleben (Sachsen-Anhalt) gebannt sei. Man habe in dem löchrigen Salzbergwerk 27 alte Abbaukammern mit 935.000 Kubikmetern Salzbeton verfüllt. In Morsleben lagern rund 37.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik.
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