Der Preis für eine Kilowattstunde Elektrizität würde je nach Versicherungsmodell auf bis zu 2,36 Euro steigen. Das wäre in etwa das Zehnfache des Preises, den Haushaltskunden derzeit an ihren Stromversorger zahlen.
Die Versicherungsforen, ein Dienstleister der deutschen Versicherungswirtschaft, haben in der Studie erstmals berechnet, wie hoch die Versicherungsprämie für ein Kernkraftwerk sein müsste. Ein Versicherer müsste danach vom AKW-Betreiber pro Jahr rund 72 Milliarden Euro für die Haftpflicht verlangen, um beispielsweise binnen 50 Jahren Laufzeit eine ausreichende Deckungssumme zu erreichen. Den maximalen Schaden, der durch einen Super-GAU mit starker Freisetzung von Radioaktivität entstehen würde, berechneten die Experten auf über 6000 Milliarden Euro. Darunter fallen unter anderem Kosten von Evakuierung und Umsiedlung der Bevölkerung, Todesfälle und Krankheiten, Ausfall von Wirtschaftsleistung und sinkender Konsum.
Der Geschäftsführer der Versicherungsforen, Markus Rosenbaum, sagte bei der Vorstellung der Studie in Berlin: „Die Kernenergie ist letztlich nicht versicherbar.“ In Deutschland müssen die AKW-Betreiber bei einem Super-GAU nur einen kleinen Teil der Schäden tragen, den Rest übernähme der Staat. Die Deckungsvorsorge beträgt nur 2,5 Milliarden Euro. 255,6 Millionen sind dabei über eine Haftpflicht abgedeckt, der Rest über gegenseitige Zusagen der Konzerne.
Die Studie zeige, „wie selektiv die Debatte um die Kosten unserer Energieversorgung geführt wird“, kommentierte Björn Klusmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, der die Studie in Auftrag gegeben hat. „Die wahren Kosten der Atomkraft werden ausgeblendet und im Falle eines schweren Unfalls auf die Allgemeinheit abgewälzt.“ Die Öko-Energien hätten dagegen „ehrliche Preise“, behauptete er.
Auch die Atom-Ethikkommission der Bundesregierung hält die „unvollständige Haftung“ bei den AKW für „höchst problematisch“. Die zu geringe Haftungssumme führe dazu, dass „die Gesellschaft für einen erheblichen Teil des Risikos“ eintrete müsse, heißt es im Entwurf für ihren Abschlussbericht, der der FR vorliegt. Dies führe zu „Missmanagement“, weil die AKW-Betreiber die möglichen Unfallfolgen abwälzen könnten.
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