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Atomstrom: Von wegen billig

Mit Milliarden-Beträgen fördert der Staat den Atomstrom. Greenpeace hat die These vom billigen Atomstrom als eine Mär entlarvt. Die Kilowattstunde wäre sonst vier Cent teurer. Von Vera Gaserow

Die Anti-Atom-Bewegung hat wieder Zulauf: Mit einem nachgebauten Atommülltransporter wurde diese  Woche in Hannover protestiert.
Die Anti-Atom-Bewegung hat wieder Zulauf: Mit einem nachgebauten Atommülltransporter wurde diese Woche in Hannover protestiert.
Foto: dpa

Die vermeintlich günstige Atomenergie kommt die Bundesbürger teuer zu stehen. Bis heute haben sie die kommerzielle Nutzung der Atomkraft mit insgesamt 165 Milliarden Euro subventioniert. Das noch einmal zusätzlich 92,5 Milliarden Euro an staatlichem Fördergeld hinzu- kommen werden, ist bereits jetzt absehbar. Damit hätten die deutschen Steuerzahler den Energiekonzernen mit insgesamt rund 258 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen, die mit ihren AKW satte Gewinne machen.

Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace. Darin haben Wissenschaftler des Forums für ökologisch-soziale Marktwirtschaft erstmals versucht zu bilanzieren, wie teuer die Atomkraft tatsächlich ist, wenn man ihre verschleierten Kosten und verdeckten Privilegien einrechnet.

Um die wahren Kosten zu beziffern, sei echte "Detektivarbeit" nötig gewesen, erklärten die Macher der Studie. Denn in den Subventionsberichten der Bundesregierung findet sich zur Atomkraft nur eine einzige Summe: Mit 200 Millionen Euro unterstützte der Staat Landwirte, die nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl Ersatz für unverkäufliche Lebensmittel bekamen.

Tatsächlich jedoch hat der Staat seit den 50er Jahren, als man Franz-Josef Strauß (CSU) zum Sonderminister für Atomfragen ernannte, die Atomkraft mit rund 60 Milliarden Euro Finanzhilfen gefördert - über Forschungsmittel, Bürgschaften, Beiträge zum Euratom-Vertrag, Stilllegungskosten für alte Ost-AKW und die Sanierung der Atommülldeponien Morsleben und Asse.

Mit weiteren 65 Milliarden päppelte der Staat die Nutzung der Atomkraft über Steuervergünstigungen. So müssen die Energiekonzerne ihre Rückstellungen für den späteren Abriss ihrer Atommeiler bisher nicht versteuern. Mit rund 24 Milliarden Euro können sie steuerfrei wirtschaften und Zinsen einstreichen, rechnet die Greenpeace-Studie vor. Hinzu kommen weitere Vergünstigungen bei der Energiesteuer, die den Atomstrom gegenüber anderen Energieträgern deutlich bevorzugen.

Rechnet man die staatlichen Vergünstigungen zusammen, müsste jede Kilowattstunde Atomstrom heute real vier Cent teurer sein. Hinzu kämen noch stattliche Mehrkosten, wenn die AKW-Betreiber sich in voller Höhe für Schäden eines möglichen GAU versichern müssten. Wenn Atommeiler den gleichen Haftungsregeln unterlägen wie Autos, würde jede von ihnen produzierte Kilowattstunde Strom mit zusätzlichen 2,70 Euro unbezahlbar.

Fazit von Greenpeace: Die These vom billigen Atomstrom, ist eine nun widerlegte Mär. Rechne man die wahren Kosten zusammen, dann hätten die Bundesbürger die 17 noch laufenden Meiler "schon zehnmal selbst bezahlt". Die Umweltorganisation fordert deshalb die Offenlegung der Atomenergie-Subventionen und eine Kernbrennstoffsteuer, um die Marktvorteile für Atomstrom abzubauen, die den großen Konzernen seit 2002 rund 100 Milliarden Euro Gewinn beschert haben.

Autor:  Vera Gaserow
Datum:  4 | 9 | 2009
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