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11. Januar 2016

Attacken auf Ausländer: Köln erhöht seine Polizeipräsenz

 Von Claudia Hauser
Polizisten drängen die Teilnehmer einer rechtsextremen Demonstration zurück.  Foto: dpa

Rechtsextreme attackieren in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs mehrere Syrer und Pakistaner. Die Polizei verstärkt ihre Präsenz, aber bisher gibt es keine Festnahmen.

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Regelrechte Jagdszenen haben sich am Sonntagabend in der Kölner Innenstadt abgespielt: Eine Gruppe von 25 Leuten verfolgte einen Mann in der Nähe des Hauptbahnhofs. Er flüchtete in Richtung Rheinufer und bat eine Gruppe, die dort unterwegs war, um Hilfe. Nun gerieten diese sechs Männer – alle pakistanischer Herkunft – in den Fokus der Verfolger. Die schlugen und traten auf zwei Pakistaner ein, die verletzt ins Krankenhaus gebracht werden mussten.

Es ist eine von vier Straftaten, bei denen am Sonntag Menschen nicht deutscher Staatsangehörigkeit in Köln verletzt wurden. So wie es aussieht, wurden sie Opfer von Gruppen, die sich nach der Silvesternacht dafür entschieden haben, „füreinander einzustehen“ und „unsere Frauen zu schützen“, wie es in den sozialen Netzwerken heißt.

Nach Hinweisen, dass Leute aus der Hooligan-Szene zu „gewaltfreien Spaziergängen“ durch Köln aufrufen, stießen die Ermittler am Donnerstag auf Facebook-Gruppen mit den Namen „Altstadtspaziergänge“, „Armlänge“ und „Block 4“. Ab Sonntagnachmittag zeigte die Polizei Präsenz in Innen- und Altstadt – um 16.30 Uhr gab es erste Hinweise auf Gruppen, die gezielt provozierten. Die Polizei überprüfte 153 Personen und sprach 199 Platzverweise aus, vier Personen wurden in Gewahrsam genommen. 13 der Kontrollierten sind polizeibekannt und in der Vergangenheit mit rechtsextremen Straftaten aufgefallen – unter anderem durch Volksverhetzung. 18 weitere stammen aus der Türsteher-Szene, zwei gehören zum Umfeld der „Hells Angels“.

Hohes Aufgebot an Karneval

Kripo-Chef Norbert Wagner berichtete am Montagmittag über die anderen drei Fälle von Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung. Am Sonntagabend um 19 Uhr wurde ein Syrer auf Gleis 12 im Hauptbahnhof von acht Personen attackiert und geschlagen. Der 39-Jährige erstattete später Strafanzeige, die Täter entkamen. Keine zehn Minuten später wurden drei aus Guinea stammende Männer in der Nähe des Doms von einer Gruppe provoziert und mit einer Flasche angegriffen. Ein 19-Jähriger wurde verletzt. Ein weitere 19-Jähriger – auch er stammt aus Syrien – wurde um 19.30 Uhr am Andreaskloster verprügelt. Es gibt noch keine Festnahmen. Im ersten Fall wurden 15 junge Männer überprüft. Ob sie etwas mit dem Angriff auf die sechs Pakistaner zu tun haben, sollen die Ermittlungen zeigen. „Wir rechnen mit weiteren Anzeigen“, sagte Wagner, der angesichts der fremdenfeindlichen Taten von einem „alarmierenden Signal“ sprach.

Michael Temme, Leiter der Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz, kündigte an, bis auf weiteres vor allem in der Innenstadt „mit sehr starken Kräften präsent zu sein.“ Die Zahl der regulären Streifeneinsätze werde erhöht, die Umgebung speziell um Dom und Hauptbahnhof regelmäßig kontrolliert, kündigte Temme an. Die Personalstärke werde an die jeweilige Situation angepasst. Im Hinblick auf Karneval werde die Polizei das gesamte rechtliche Spektrum nutzen. Es soll etwa so genannte Gefährderansprachen und Bereichsbetretungsverbote für Personen geben, die in der Vergangenheit durch Straftaten aufgefallen sind. „Denjenigen, die versuchen, das Recht in die eigenen Hände zu nehmen, werden wir die Grenzen aufzeigen“, sagte Temme. Zeugen und mögliche Opfer werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

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