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Attentat auf Polizeichef: Rätsel im Fall Mannichl

Der Fall wird von Tag zu Tag mysteriöser: Gut zwei Wochen nach dem Angriff auf Passaus Polizeichef Alois Mannichl gilt es keineswegs mehr als sicher, dass der Täter aus dem rechtsextremen Milieu stammt. Jetzt soll das LKA den Fall neu aufrollen.

Mehr als zwei Wochen nach dem mutmaßlichen Neonazi-Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl ist der Fortgang der bislang ergebnislosen Ermittlungen weiter unklar.
Mehr als zwei Wochen nach dem mutmaßlichen Neonazi-Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl ist der Fortgang der bislang ergebnislosen Ermittlungen weiter unklar.
Foto: ap

Der Fall wird von Tag zu Tag mysteriöser: Gut zwei Wochen nach dem Angriff auf Passaus Polizeichef Alois Mannichl gilt es keineswegs mehr als sicher, dass der Täter aus dem rechtsextremen Milieu stammt. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte ein Sprecher der "Soko Fürstenzell" der FR. Zwar stünden Neonazis "weiter in unserem Fokus, aber es gibt keine heiße Spur".

Der 52-jährige Mannichl war am 13. Dezember vor seinem Haus in Fürstenzell von einem Unbekannten schwer verletzt worden. Als Tatwaffe diente ein Messer, das der Polizeichef selbst in seinem Vorgarten platziert hatte, damit sich Nachbarn, wie es in der Gegend üblich ist, ein Stück Lebkuchen abschneiden können. Mannichl zufolge bestellte der Täter Grüße vom "nationalen Widerstand". Tags darauf veröffentlichte die Polizei eine Meldung, wonach Diktion und Wortlaut "auf eine politische Motivlage aus dem rechten Spektrum" hindeuteten.

Davon ist in den jüngeren Mitteilungen der Soko keine Rede mehr. Statt dessen gilt der jüngste Fahndungsaufruf neben dem Täter fünf weiteren Personen, darunter einer Frau mit zerzaustem Haar und Piercing am Auge sowie einem Mann mit "Hahnenkamm"-Frisur. Diese Personen, so die Ermittler, seien nicht zwangsläufig Rechtsextremisten, sie könnten sich "im Punker- oder Rockermilieu, aber auch in der Gothic-Szene aufhalten". Trotz detaillierter Beschreibung hat noch keiner der 250 Hinweise zu einem nennenswerten Fahndungserfolg geführt.

Der Soko-Sprecher räumte ein, dass die Frage im Raum stehe, ob die 50-köpfige Ermittlungsgruppe unter die Leitung des bayerischen Landeskriminalamtes gestellt werden solle. Medien hatten berichtet, das LKA wolle den Fall noch einmal "von Null" aufrollen.

Für neue Aufregung sorgte zu Wochenbeginn ein Fall im mecklenburgischen Warin, der einen direkten Bezug zu Passau aufweist. Warins parteiloser Bürgermeister Hans-Peter Gossel steht unter Polizeischutz, seit er auf der neonazistischen Internet-Plattform "Störtebeker-Netz" bedroht wurde. Ein Unbekannter hatte dort vor Weihnachten geschrieben: "Aufpassen! Hoch-Zeit der Lebkuchenmesser! Das nächste Opfer stellt sich zur Verfügung!" Dazu Gossels Name und ein Zeichentrick-Video, das mit Strichmännchen ein Messerattentat nachstellt. "Wir nehmen das sehr ernst", hieß es im mecklenburgischen Innenministerium.

Gossel hatte sich zuletzt wiederholt geweigert, einen Hauskauf der "Interim Partei Deutschland" (IPD) ins Grundbuch seiner Kleinstadt eintragen zu lassen, weil er fürchtet, dass dort ein rechtes Schulungszentrum entstehen soll. Die IPD ist eine obskure Splittergruppe von "Reichsbürgern", die sich zumindest in Teilen zum Deutschen Reich in den Grenzen von 1937 bekennt. Als Vorsitzender fungiert Edgar Romano Ludowici, der sich "Graf von Roit zu Hoya" nennt und gegen den 2006 wegen der Leugnung des Holocaust ermittelt wurde. Sitz der IPD war bislang eine Villa im Kreis Stormarn, die offenbar im Oktober zwangsversteigert wurde. Anscheinend versucht die "Partei" seither, in Mecklenburg neue Strukturen aufzubauen. Selbst in der rechtsextremen Szene gilt die IPD als "obskur" und "nahezu unbekannt". Die Bedrohung des Wariner Bürgermeisters wurde in einschlägigen Foren jedoch hämisch kommentiert. Im Störtebeker-Netz hieß es: "Nacht der langen Lebkuchenmesser bald in Warin?"

Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau zeigte sich beunruhigt über den Vorfall. Es sei allerdings "nichts Neues", dass Mandatsträger, die gegen Neonazismus eintreten, aus der rechten Szene bedroht würden. Auch Bundestagsabgeordnete seien betroffen, sagte Pau der FR. "Wir stehen in der Regel unter besonderem Schutz - aber was ist eigentlich mit den Leuten, die täglich von Rechtsextremisten bedroht werden?"

Autor:  JÖRG SCHINDLER
Datum:  30 | 12 | 2008
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