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Auf dem Kriegspfad

Perus Indianer sehen ihre Gebiete durch Rohstoffausbeutung in Gefahr

Die Regierung von Peru hat in Teilen des Amazonasgebietes den Ausnahmezustand ausgerufen. Tausende von Indianern protestieren, weil Ölfirmen immer mehr Förderkonzessionen im Urwald bekommen.

Besonders kritisch war die Lage in Nord-Peru, wo 2000 Jívaros und Aguaruna-Huambisa eine Brücke sperrten, über die quasi der ganze Verkehr zwischen dem Departement Amazonas und der Küste verläuft. Acht Polizisten und vier Indianer wurden in derselben Gegend verletzt, als Polizisten versuchten, ein Wehr zu öffnen, das die Indianer blockierten, um ein Wasserkraftwerk lahmzulegen. Auch im Osten und im Südosten des Landes war die Lage gespannt.

Mit dem Ausnahmezustand in allen drei Regionen soll Schlimmeres verhütet werden, sagte Premier Jorge del Castillo. Vor allem im südlichen Departement Cuzco könnten die Indianer riesigen Druck ausüben, wenn sie die Förderanlagen des Mega-Gasvorkommens Camisea lahmlegten.

Die Vertretung der peruanischen Urwald-Indianer wirft der Regierung vor, sie wolle die Urwälder privatisieren und an internationale Öl- und Gaskonzerne weitergeben. Bereits "über 70 Prozent" des peruanischen Amazonasgebietes sei in Öl- und Gas-Konzessionsblöcke aufgeteilt, "die sich mit den Gebieten der indigenen Gemeinschaften, der Territorien isoliert lebender Indianer, den Waldreserven und anderen Schutzzonen überlappen", teilte der Indianer-Verband Aidesep mit, der 1300 Gemeinschaften vertritt.

Tatsächlich hat die Regierung eine neue Vorschrift erlassen, die die Kritiker als Gesetz des Dschungels ironisieren: Danach können kommunale Ländereien der Indianer-Gemeinschaften im Urwaldgebiet leichter verkauft werden. Perus Amazonasgebiet ist knapp doppelt so groß wie Deutschland und eine der Boom-Regionen des internationalen Öl- und Gasförder-Industrie. Allein 2007 unterzeichnete Peru 63 Explorations- und 19 Förderverträge.

Am Dienstag wirkten die Fronten völlig verhärtet. Die Regierung mobilisierte 1500 Mann einer Polizei-Elitetruppe. Alberto Pizango, der Präsident des Indianer-Verbandes, sagte, der Ausnahmezustand sei "eine offene Kriegserklärung".

Autor:  WOLFGANG KUNATH
Datum:  20 | 8 | 2008
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