Berlin. Wie ernähre ich mich richtig? Wie vermeide ich Gesundheitsschäden durch den Job? Wie wappne ich meinen Körper gegen die Alltagsbelastung? Für Kurse und Beratungen zur Krankheitsvorbeugung, die derlei Fragen beantworten, geben die Krankenkassen Jahr für Jahr mehr Geld aus - und, soweit die Erfolgsmeldung, erreichen damit immer mehr Menschen. Doch gerade an jene, die die Beratung besonders brauchen, kommen die Kassen kaum heran. Das ist die schlechte Nachricht, die aus dem Präventionsbericht hervorgeht, den der Spitzenverband der 169 gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) gestern in Berlin vorlegte.
Demnach investierten die gesetzlichen Kassen im Berichtsjahr 2008 insgesamt 340 Millionen Euro in Krankheitsvorbeugung - etwa 40 Millionen mehr als 2007. Sie erreichten damit rund neun Millionen Menschen, also etwa jeden achten gesetzlich Versicherten in Deutschland. "Zudem haben wir mit Präventionsausgaben von 4,83 Euro je Versichertem den gesetzlichen Richtwert von 2,78 Euro klar übertroffen", sagte Klaus-Dieter Voß, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes.
Kurse zur Ernährung
Doch die Kassen haben auch Nachholbedarf: Obwohl es ihr erklärtes Ziel ist, mit den Kursen besonders sozial Benachteiligte zu erreichen, floss auch 2008 das meiste Geld in Einzelkurse. Für diese Angebote, die vor allem von der Mittelschicht und zu drei Vierteln von Frauen zwischen 40 und 59 Jahren genutzt werden, gaben die Kassen mehr als 285 Millionen Euro aus. Das ist mehr als das Fünffache des Betrages, der für die betriebliche Gesundheitsvorsorge (36 Millionen) und Projekte in Kitas, Schulen, Altenheimen und kommunalen Treffs (18,6 Millionen) zusammen aufgewendet wurde - obwohl dort am ehesten alle Schichten teilhaben.
"Wir haben 2008 erst 3423 Projekte in bundesweit 4788 Betrieben erfasst", räumte Voß ein. "Das ist zwar eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr, aber da besteht eindeutig Nachholbedarf." Auch mit den Angeboten an Schulen und Kitas stehe man mit den Kursen zu Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung erst am Anfang: 2008 waren die GKV an insgesamt 1201 Projekten in 22000 Einrichtungen beteiligt - "das ist längst nicht flächendeckend", so Voß. "Aber das können wir nicht allein schaffen. Deshalb sollte der Gesetzgeber Anreize schaffen, damit weitere Akteure sich engagieren." Derzeit lägen etwa die privaten Kassen abgeschlagen auf dem letzten Platz der Ausgaben-Rangliste. Voß rief die Regierung auf, "Prävention tatsächlich wie im Koalitionsvertrag angekündigt zu stärken". Das seit 2008 auf Eis liegende Präventionsgesetz dürfe nicht weiter verschoben werden.
Die laut GKV am häufigsten genutzten Vorbeuge-Kurse behandelten zuletzt die Themen Ernährung (sieben Prozent aller Kursteilnahmen), Stress (17 Prozent) und Bewegung (76 Prozent) - wobei bei letzterem besonders Rückenschulen gefragt waren.
Dass gezielte Prävention auch so manchen Praxisbesuch vermeiden helfen könnte, zeigt der jüngste Arztreport, den die Krankenkasse Barmer GEK gestern veröffentlichte. Seine Aussage: Die Bundesbürger gehen (zu) häufig zu Ärzten - im Schnitt pro Kopf mehr als 18-mal pro Jahr. Weit oben auf der Liste der Leiden, die die Deutschen zu einem oder mehr niedergelassenen Medizinern treiben: Rücken- und Wirbelsäulenbeschwerden, Depressionen, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen.
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