Vier Monate bleiben Xe Services, Dyncorp oder NLC Holding noch Zeit. Dann müssen diese und alle anderen Sicherheitsfirmen in Afghanistan ihre Arbeit einstellen. Präsident Hamid Karsai hat am Dienstag ein Dekret unterzeichnet, das die Auflösung sowohl afghanischer wie ausländischer Söldnerfirmen verfügt.
Karsai hatte diesen Schritt vor einer Woche angekündigt. Die Regierung, sagte er in einer Rede laut dem britischen Sender BBC, „könne nicht länger die Existenz dieser parallelen Strukturen dulden“. Die Menschen misstrauten diesen Firmen. Karsai fordert von der Internationalen Gemeinschaft, die afghanische Armee und Polizei zu stärken, so dass sie die Aufgaben der Sicherheitsfirmen übernehmen könne.
Mehr als 25000 Sicherheitskräfte – andere Quellen behaupten, es seien bis zu 40000 – sind in Afghanistan für 52 zugelassene Privatfirmen tätig. Die Hälfte der Firmen gehört Einheimischen. Etwa 19000 Personen arbeiten für das US-Militär. Der Markt hat ein Volumen von mehreren Milliarden Dollar.
Xe Services, lange unter dem Namen Blackwater firmierend, Triple Canopy und Dyncorp sind die größten US-Firmen auch auf dem afghanischen Sicherheitsmarkt. Dyncorp-Mitarbeiter hatten im Juli in Kabul Proteste ausgelöst, als bei einem Unfall mit ihrem Geländewagen vier Zivilisten getötet wurden.
Afghanische Firmen sind etwa Watan Risk Management, die laut Washington Post zwei Cousins von Staatspräsident Hamid Karsai gehört, und NLC Holdings, im Besitz von Hamed Wardak, einem Sohn des Verteidigungsministers. fes
Experten haben allerdings Zweifel, ob dies überhaupt so schnell möglich ist. Sicherheitsfirmen begleiten Nachschubtransporte von und zu Isaf-Stützpunkten, sie bewachen militärische Anlagen genauso wie Regierungsgebäude und beschützen Politiker und hohe Beamte. Dabei erfüllen sie wichtige Aufgaben, die von der internationalen Schutztruppe Isaf ohne eine entsprechende Aufstockung der Truppenstärke nicht erfüllt werden könnte.
Ohnehin ist etwa die US-Armee seit der Teilprivatisierung originär militärischer Aufgaben unter dem damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gar nicht mehr in der Lage, militärische Operationen ohne die Hilfe sogenannter Söldnerfirmen auszuführen. Aber auch andere Sicherheitsaufgaben haben die USA längst in die Hände von Privatfirmen gelegt. So wird die US-Botschaft in Kabul von einem Unternehmen beschützt. „Ehrlich gesagt wissen wir nicht, ob Präsident Karsai auch diese Leute meint“, wenn er vom Abzug rede, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums der New York Times. Er erklärte zwar, die USA seien sich mit Karsai einig, dass die öffentliche Sicherheit nach und nach in die Hände der afghanischen Regierung gelegt werden müsse. Dennoch sei klar: „Wir glauben, dass zu diesem Zeitpunkt ein Bedarf für private Sicherheitsfirmen besteht.“
Diese Einschätzung ist nicht ganz falsch – dennoch haben gerade die USA Karsai in der Frage der Sicherheitsdienstleister unter Druck gesetzt und womöglich das ungeliebte Dekret provoziert. Schließlich hatte der US-Kongress kürzlich in einem Bericht beklagt, dass die Sicherheitsfirmen zum Teil außerhalb des Rechts arbeiteten, schlecht ausgebildete Kräfte beschäftigten und bisweilen sogar die Taliban dafür bezahlten, dass sie Transporte nicht angreifen.
Viele „Firmen“ sind inzwischen so groß, dass sie in ihren Gebieten die stärkste militärische Macht darstellen. Über den ehemaligen Warlord Matiullah Khan heißt es, seine etwa 1500 Mann zählende Privatmiliz sei die stärkste Kraft in der Provinz Urusgan. Bezahlt wird sie von Transportunternehmen, um einen etwa 100 Kilometer langen Abschnitt einer wichtigen Straße zu schützen.
Diese Aufgaben müssen wohl die rund 150000 Isaf-Soldaten gemeinsam mit den 225000 mehr oder weniger gut ausgebildeten afghanischen Polizisten und Armeeangehörigen übernehmen – praktisch undenkbar in dieser kurzen Zeit, meint US-Brigadegeneral Margret Boor, Chefin einer Nato Task Force, die sich mit den Sicherheitsfirmen beschäftigt. Polizei und Armee seien dazu noch nicht in der Lage, sagte Boor der Washington Post. „Was die Firmen tun, ist wichtig.“
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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