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Autounfall: Haider war doppelt so schnell wie erlaubt

Nach dem Tod von Jörg Haider ist die österreichische Rechte fassungslos. Viele in seinem Regierungsbezirk Kärnten trauern. Seine Partei steht ohne Führung da.

Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider ist tot. Der Ministerpräsident von Kärnten kam mit seinem Dienstwagen von der Straße und starb noch am Unfallort.
Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider ist tot. Der Ministerpräsident von Kärnten kam mit seinem Dienstwagen von der Straße und starb noch am Unfallort.
Foto: ap

Klagenfurt. Der rechtsgerichtete österreichische Politiker Jörg Haider ist bei einem Verkehrsunfall in seinem Dienstwagen ums Leben gekommen.

Der Kärntner Landeshauptmann (Ministerpräsident) und Chef des Bündnisses Zukunft Österreich (BZÖ) kam am frühen Samstagmorgen (11. Oktober) nach einem Überholmanöver bei Klagenfurt von der Straße ab.

Jörg Haider

Geboren wird Haider als Sohn eines Schuhmachers und einer Lehrerin in Oberösterreich. Nach dem Abitur studiert er in Wien Jura.

Als Politiker startet er 1977 durch: Als FPÖ-Landesparteisekretär macht Haider die Politik zu seinem Beruf und beginnt eine steile Karriere. Lange Jahre ist der Rhetorik- und Medienprofi der "starke Mann" der Partei und zimmert im Hintergrund unter anderem an der umstrittenen Regierungskoalition im Jahr 2000 mit der konservativen ÖVP unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.

Eigene Partei: Nach Konflikten mit seiner Heimatpartei macht sich Haider 2005 mit dem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) selbstständig.

Der 58-Jährige sei zum Zeitpunkt des Unfalls in der Nacht zum Samstag mit 142 Stundenkilometern doppelt so schnell unterwegs gewesen wie auf der Strecke erlaubt, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Sein Dienstwagen sei technisch völlig in Ordnung gewesen, sagte die Staatsanwaltschaft nach der Untersuchung des Wracks. Laut Obduktionsbericht hatte er keine Überlebenschance.

Haider war am Freitagabend noch bei einer politischen Veranstaltung gewesen. In der Nacht machte er sich dann in seinem VW Phaeton allein auf den Weg zu seinem Anwesen im Kärntner Bärental. Wie sein Sprecher Stefan Petzner der österreichischen Nachrichtenagentur APA sagte, wollte die Familie dort den 90. Geburtstag von Haiders Mutter feiern.

Haider überholte nach Polizeiangaben auf der Loiblpass-Bundesstraße nahe der Ortschaft Lambichl ein anderes Fahrzeug. Danach kam er nach rechts von der Fahrbahn ab, schlitterte knapp 150 Meter eine Böschung entlang, prallte gegen den Betonpfosten eines Zauns und einen Hydranten, überschlug sich dann mehrfach und kam auf den Rädern zum Stillstand.

Haider war auf der Stelle tot, wie der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz, am Sonntag der APA sagte. Dem vorläufigen Obduktionsbericht zufolge hätte jede einzelne seiner schweren Verletzungen im Kopf- und Brustbereich schon zum Tod geführt.

Obwohl Haider angeschnallt gewesen sei, habe er keine Überlebenschance gehabt. Nun warte man noch auf das Ergebnis der technischen Untersuchung des Autowracks, sagte Kranz. Der Phaeton V6 mit Allradantrieb wurde praktisch völlig zerstört, beide Vordertüren waren herausgerissen.

"Ich kann nicht begreifen, was geschehen ist"

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer sprach von einer "menschlichen Tragödie". Bundeskanzler Alfred Gusenbauer äußerte sich betroffen. Haider habe die gesamte innenpolitische Landschaft Österreichs über Jahrzehnte hinweg geprägt. "Für uns ist das wie ein Weltuntergang", sagte Haiders Pressesprecher und Stellvertreter als BZÖ-Chef, Petzner, bei einer Pressekonferenz.

Und mit tränenerstickter Stimme fügte er hinzu: "Ich kann nicht begreifen, was geschehen ist." Die Amtsgeschäfte in Kärnten übernimmt Haiders bisheriger Stellvertreter Gerhard Dörfler. Der Landtag muss dann in den nächsten drei Wochen einen Nachfolger wählen.

Dörfler zeigte sich tief bestürzt: "Ich habe einen Lebensfreund verloren." Der Chef der konservativen Volkspartei ÖVP, Josef Pröll, und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sprachen Haiders Familie ihr Beileid aus.

In Kärnten ist die Trauer groß. "Er war ein bisschen ein Volksheld für uns", sagte die Kärntnerin Sandra Degusch im österreichischen Fernsehen ORF. Trauernde legten an der Unfallstelle und vor Haiders Regierungssitz Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Vor dem Gebäude standen Besucher Schlange, um sich ins Kondolenzbuch einzutragen. In der Nacht nach Haiders Tod war der Platz vor dem Regierungssitz von Hunderten Kerzen erhellt.

Der Verunglückte hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter. Wegen seiner rechtspopulistischen Äußerungen war Haider einer der umstrittensten und international bekanntesten Politiker Österreichs.

Seine Partei hatte bei der Parlamentswahl am 28. September mit elf Prozent überraschend stark abgeschnitten. 1999 überflügelte Haider mit der FPÖ, von der das BZÖ sich später abspaltete, erstmals die ÖVP.

Trotz internationaler Proteste gingen die beiden Parteien eine Koalition ein, wenngleich Haider auf einen Regierungsposten unter dem ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel verzichtete. Die EU verhängte damals monatelang Sanktionen gegen Österreich.

Mehrfach sorgte Haider mit Kommentaren zur NS-Zeit für Empörung. Nachdem er die "ordentliche Beschäftigungspolitik" im Dritten Reich gelobt hatte, musste er 1991 als Kärntner Landeshauptmann zurücktreten, da die ÖVP ihm die Zusammenarbeit aufkündigte. Auf die Frage nach den engen Verbindungen seiner Eltern zu den Nazis sagte er einmal: "Im Nachhinein ist man immer klüger." (ap/dpa/rtr)

Datum:  11 | 10 | 2008
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