Politik
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08. November 2008

Baden-Württemberg: "Landesverräter Bonhoeffer"

 Von GABRIELE RENZ

Manfred Lüttke, Wasser-Verbandschef und CDU-Mitglied, diffamiert den NS-Widerständler und löst einen Sturm der Empörung aus.

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Es sollte eine gesalzene Replik auf den Brief vom Wasserkraft-Bundesverband werden. Doch was der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg (AWK), Manfred Lüttke, da in ein Tagungsprotokoll diktierte, löste einen Sturm der Empörung aus. "Dietrich Bonhoeffer wird als Widerstandskämpfer gefeiert, war aber aufgrund seiner intensiven Kontakte mit der deutsch-feindlichen englischen Kriegspolitik (…) eher ein ganz gewöhnlicher Landesverräter", schimpfte der 73-Jährige, Geschäftsführer eines Pforzheimer Unternehmens und Mitglied der CDU.

Anlass für Lüttkes Einlassung war ein Brief des Ehrenpräsidenten des Bundesverbandes, Anton Zeller. Der hatte ein Bonhoeffer-Zitat ans Ende eines Schreibens gestellt, in dem er die Abspaltung des hessischen Wasserkraftverbandes bedauerte: "Optimismus ist eine Lebenskraft - eine Kraft, die die Zukunft niemals dem Gegner überlässt." Auch Lüttkes Verband hatte sich abgespalten.

Die Bonhoeffer-Gemeinde reagierte entsetzt auf Lüttkes "ungeheuren Vorwurf". Landesbischof Otfried July wunderte sich laut dpa, "dass 2008 noch solche Aussagen über Dietrich Bonhoeffer möglich sind". Reihenweise stornierten Landtagsabgeordnete und ein Vertreter der Landesregierung ihre Teilnahme an der Hauptversammlung des Verbandes am gestrigen Freitag, der Bürgermeister strich sein Grußwort.

Die Appelle, den nicht zum ersten Mal rechtsextrem fabulierenden Lüttke aus dem Amt zu jagen, verhallten indes. Zwar befürchtete der Verbandschef selbst "Schaden für den Verband" und bedauerte am Donnerstag sogar die Äußerung "zutiefst". Er kandidierte dennoch erneut und wurde wiedergewählt.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Franz Untersteller schickte kurz nach Lüttkes Wahl seine Austrittserklärung aus dem parlamentarischen Beirat der AWK. Er sehe keine Möglichkeit mehr, mitzuarbeiten, solange Lüttke eine führende Rolle spiele. CDU-Fraktionschef Stefan Mappus fand die Äußerungen Lüttkes zwar "abartig" und Lüttke nicht mehr tragbar, sah aber eher den Verband in der Pflicht. Dessen Reaktion: Man habe es mit einer "Rufmordkampagne gegen Wasserkraftler" zu tun.

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