Aktuell: Fußball-EM 2016 | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

08. November 2008

Baden-Württemberg: "Landesverräter Bonhoeffer"

 Von GABRIELE RENZ

Manfred Lüttke, Wasser-Verbandschef und CDU-Mitglied, diffamiert den NS-Widerständler und löst einen Sturm der Empörung aus.

Drucken per Mail

Es sollte eine gesalzene Replik auf den Brief vom Wasserkraft-Bundesverband werden. Doch was der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg (AWK), Manfred Lüttke, da in ein Tagungsprotokoll diktierte, löste einen Sturm der Empörung aus. "Dietrich Bonhoeffer wird als Widerstandskämpfer gefeiert, war aber aufgrund seiner intensiven Kontakte mit der deutsch-feindlichen englischen Kriegspolitik (…) eher ein ganz gewöhnlicher Landesverräter", schimpfte der 73-Jährige, Geschäftsführer eines Pforzheimer Unternehmens und Mitglied der CDU.

Anlass für Lüttkes Einlassung war ein Brief des Ehrenpräsidenten des Bundesverbandes, Anton Zeller. Der hatte ein Bonhoeffer-Zitat ans Ende eines Schreibens gestellt, in dem er die Abspaltung des hessischen Wasserkraftverbandes bedauerte: "Optimismus ist eine Lebenskraft - eine Kraft, die die Zukunft niemals dem Gegner überlässt." Auch Lüttkes Verband hatte sich abgespalten.

Die Bonhoeffer-Gemeinde reagierte entsetzt auf Lüttkes "ungeheuren Vorwurf". Landesbischof Otfried July wunderte sich laut dpa, "dass 2008 noch solche Aussagen über Dietrich Bonhoeffer möglich sind". Reihenweise stornierten Landtagsabgeordnete und ein Vertreter der Landesregierung ihre Teilnahme an der Hauptversammlung des Verbandes am gestrigen Freitag, der Bürgermeister strich sein Grußwort.

Die Appelle, den nicht zum ersten Mal rechtsextrem fabulierenden Lüttke aus dem Amt zu jagen, verhallten indes. Zwar befürchtete der Verbandschef selbst "Schaden für den Verband" und bedauerte am Donnerstag sogar die Äußerung "zutiefst". Er kandidierte dennoch erneut und wurde wiedergewählt.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Franz Untersteller schickte kurz nach Lüttkes Wahl seine Austrittserklärung aus dem parlamentarischen Beirat der AWK. Er sehe keine Möglichkeit mehr, mitzuarbeiten, solange Lüttke eine führende Rolle spiele. CDU-Fraktionschef Stefan Mappus fand die Äußerungen Lüttkes zwar "abartig" und Lüttke nicht mehr tragbar, sah aber eher den Verband in der Pflicht. Dessen Reaktion: Man habe es mit einer "Rufmordkampagne gegen Wasserkraftler" zu tun.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Österreich und die Folgen

Mehr Politik wagen

Von  |
Von Adenauer bis Merkel: In der Politik herrscht das Geschacher und Kleinklein. Es fehlen die Visionen.

Alle suchen nach Mitteln gegen Rechtspopulisten. Das einfachste ist: Probleme benennen, Lösungen erarbeiten und umsetzen. Oder blumiger: Es sind Visionen nötig. Der Leitartikel. Mehr...

Österreich

Ein Sieg des letzten Aufgebots

Van der Bellen wurde nicht nur von Grünen gewählt, auch Konservative gingen für ihn an die Urne, um Hofer zu verhindern.

Die Wahl Alexander van der Bellens zum österreichischen Präsidenten hat das Land nicht grundlegend verändert. Der Kampf gegen die Ultrarechten fängt jetzt richtig an. Der Leitartikel. Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung