Ludwigsburg. Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg hat wegen des Verdachts des Mordes an polnischen Zivilisten bei der Niederschlagung des "Warschauer Aufstandes" 1944 mehrere frühere Angehörige einer SS-Einheit überprüft. Wie die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg mitteilte, wurden insgesamt elf noch lebende Personen ermittelt.
Es sei nachgewiesen, dass drei davon zur "Sonderbrigade Dirlewanger" zum Zeitpunkt des Aufstandes gehörten. Den Angaben zufolge bestritten die ermittelten Angehörigen bei ihren Vernehmungen, an Kampfhandlungen beteiligt gewesen zu sein. Die Ermittlungen sollen fortgesetzt werden. Sie seien "sehr zeitaufwendig" und erforderten umfangreiche Recherchen in Archiven, hieß es. Dabei werde eng mit Behörden in Warschau zusammengearbeitet.
Die Zentrale Stelle habe erneut ein Rechtshilfeersuchen an Warschau gestellt, um über dort vorliegende Erkenntnisse informiert zu werden.
Mit einer positiven Antwort sei in Kürze zu rechnen. Die Recherchen des LKA hängen mit Untersuchungen der "Hauptkommission zur Verfolgung der Verbrechen gegen das Polnische Volk" in Warschau zusammen.
Die Einrichtung ermittelt auf Grundlage neuer Karteikarten-Funde gegen ehemalige Angehörige der "Einheit Dirlewanger" wegen besonders grausamer Beteiligung an der Niederschlagung des "Warschauer Aufstandes". Bislang wurden noch keine Angehörigen dieser Einheit von der deutschen Justiz belangt.
Die Zentrale Stelle leitete deshalb ein Überprüfungsverfahren ein und Beauftragte das LKA mit den Ermittlungen. Bei der "Sonderbrigade Dirlewanger" handelte es sich um eine Bewährungseinheit der Waffen-SS, in der unter anderen Häftlinge aus einem SS-Arbeitserziehungslager, aus Strafanstalten der Wehrmacht und aus Konzentrationslagern eingesetzt wurden.
Die Einheit war nachweislich während des Krieges an zahlreichen Verbrechen in Polen, Weißrussland und der Slowakei beteiligt. (ddp)
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