kalaydo.de Anzeigen

Bangen um Entlastungen: Die Steuer-Blamage

Merkel und Westerwelle können den Widerstand der Unions-Ministerpräsidenten gegen das 8,5 Milliarden Euro teure Projekt nicht brechen. Nun müssen Familien, Erben, Firmen und Hoteliers um die versprochenen Entlastungen bangen.

Familien, Erben, Firmen und Hoteliers müssen um die versprochenen Entlastungen bangen.
Familien, Erben, Firmen und Hoteliers müssen um die versprochenen Entlastungen bangen.
Foto: dpa

Berlin. Familien, Erben, Firmen und Hoteliers müssen um die Entlastung bangen, die ihnen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und FDP-Chef Guido Westerwelle von Januar an versprochen haben. Und den beiden Politikern droht eine handfeste Blamage. Merkel gelang es bei einem Spitzengespräch mit den Unionsministerpräsidenten nicht, den Widerstand gegen das 8,5 Milliarden Euro teure Projekt zu brechen.

Vor allem Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) will die Einnahmeausfälle ohne eine Entschädigung für sein Land nicht mittragen. Die finanziellen Folgen der Steuerentlastungen seien für Schleswig-Holstein nicht verkraftbar, sagte Carstensen. "Und gegen Adam Riese kann man keinen Krieg führen", so Carstensen. Merkel aber braucht im Bundesrat alle Stimmen der schwarz-gelben Landesregierungen.

Eigentlich sollten die parlamentarischen Beratungen am 18. Dezember abgeschlossen werden, um das Programm für mehr Netto zum Start des neuen Jahres greifen zu lassen. Jetzt ist nach Angaben aus der Union nicht auszuschließen, dass sich der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat mit der Angelegenheit befassen muss. Dann würden sich die Verhandlungen ins neue Jahr hinein ziehen.

Mit dem Paket, Wachstumsbeschleunigungsgesetz genannt, wollen Union und FDP den Kinderfreibetrag und das Kindergeld erhöhen, Unternehmen entlasten, Geschwister bei der Erbschaftsteuer besser stellen und für Hotels die Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent senken.

Vor allem dieses Steuerprivileg ist umstritten. Mehrere CDU/FDP-geführte Länder teilen die massive Kritik der Experten daran. Dennoch erklärten sie sich mit Ausnahme Schleswig-Holsteins bereit, das ungeliebte Gesetz mitzutragen, um der neuen Koalition im Bund den Start nicht zu vermiesen. Als Wackelkandidat gilt noch Sachsen, das um seine Konsolidierungserfolge bangt. "Wir wollen uns vom Bund nicht zur Aufnahme von Schulden zwingen lassen", sagte CDU-Fraktionschef Steffen Flath der Sächsischen Zeitung.

Völlig unklar ist, wie Merkel aus dieser verfahrenen Situation herausfinden kann. Die Atmosphäre bei dem Treffen im Kanzleramt beschrieben Unionskreise als "frostig". Ein Kompromiss habe sich nicht abgezeichnet. Falls Kiel nicht doch noch klein beigibt, bleiben drei Möglichkeiten, die allesamt ihre Tücken haben. Erstens könnte der Bund Schleswig-Holstein entschädigen. Dagegen wehren sich die anderen CDU-Ministerpräsidenten. Wenn überhaupt, dann müsste der Bund die Länder insgesamt besser stellen, etwa bei der Verteilung des Mehrwertsteueraufkommens, hieß es. Dies lehnt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU) ab, der bekanntlich nicht auf Koffern voller Geld sitzt. Trotzdem bleibt der Stimmenkauf die wahrscheinlichste Variante, auch wenn die Dementis heftig ausfallen.

Seehofer legt sich quer

Als Alternative wäre zweitens denkbar, das besonders angreifbare Privileg für Hotels aus dem Katalog herauszunehmen und erst einmal die drei anderen Entlastungen zu beschließen, vor allem die für Familien. Dies lehnt jedoch CSU-Chef Horst Seehofer ab, der auf Einhaltung des Koalitionsvertrages pocht. Drittens könnte das Volumen der Entlastungen abgespeckt werden, was aber besonders für Westerwelle mehr als peinlich wäre.

Der grüne Finanzpolitiker Gerhard Schick erklärte, der Zeitplan sei nicht zu halten. Es gebe keinen Grund mehr für die Eile, mit der Union und FDP das Gesetz verabschieden wollten. "Die Koalition muss den Zeitplan entzerren, um eine qualitativ hochwertige parlamentarische Beratung zu ermöglichen", sagte Schick der Frankfurter Rundschau. Die Linken begrüßten, dass die CDU-Ministerpräsidenten die Kritik an Steuersenkungen für Unternehmen und Großerben übernommen hätten.

Autor:  Markus Sievers
Datum:  28 | 11 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!