Die einen, sagt Georg Janßen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL, "werden die Zwangskollektivierung in der DDR verherrlichen, und die anderen werden sie in Grund und Boden reden. Statt darüber zu sprechen, was wir daraus lernen." Denn die aus der Zwangskollektivierung hervorgegangene Wettbewerbsverzerrung im deutschen Osten setze sich bis heute fort, sagt Janßen.
Die einen: Das sind die Gäste der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die am Samstag im brandenburgischen Kyritz über 50 Jahre "Agrargenossenschaften" reden. Die anderen, das sind jene "Privatbauern" oder "Wiedereinrichter", die nach 1990 aus den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) ausschieden, und die mit der Landwirtschaft auf eigene Faust neu anfingen.
Diese Landwirte, teils im 1000 Mitglieder kleinen Deutschen Bauernbund organisiert, sehen im Wort Agrargenossenschaft einen "ahistorischen", wenn auch "formal korrekten" Begriff - und eine "Lüge". Das meint Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbunds in Brandenburg. Der Bund will einen Tag nach der Veranstaltung der Linken-nahen Stiftung in Kyritz eine Bronzetafel auf einen Findling montieren: "Den Opfern der Zwangskollektivierung im so genannten sozialistischen Frühling 1960 in der DDR."
Der 73-jährige Ulrich Toppel ist einer von jenen etwa 400.000 Kleinbauern, die 1960 innerhalb von drei Monaten in eine LPG gezwungen wurden. "Plötzlich war alles wieder weg, was wir uns bis dahin aufgebaut hatten", erzählt er. Seine 50 Hektar Land gingen in der LPG auf.
In den Suizid getrieben
Gegen die staatliche Gewalt gab es Widerstand vor allem auf jenen 150.000 mittleren und großen Höfen, die - anders als die Masse der Kleinbauern - auf staatliche Unterstützung verzichten konnten. Denn ihre Höfe florierten. Wer sich der Kollektivierung entziehen wollte, musste in den Westen fliehen. Und "der verzweifeltste Versuch, sich der Kollektivierung zu entziehen, war die Selbsttötung", sagt der Soziologe Falko Werkentin.
Bei der Luxemburg-Stiftung will Geschäftsführer Detlef Nakath nichts von Verherrlichung der Kollektivierung wissen. "Von Freiwilligkeit war nichts zu spüren", das weiß auch Nakath. Unter seinen Gästen ist mit Udo Folgart auch der Chef einer aus einer LPG entstandenen Agrargenossenschaft. Folgart war beim SPD-Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier Agrarexperte.
Doch im Auftritt Folgarts, der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands ist, sieht die Konkurrenz vom Bauernbund eine "Beleidigung für alle freien Bauern". Denn, sagt Jung, es seien gerade die heutigen Agrargenossenschaften, die von der Politik bevorzugt behandelt würden: Ihnen werde das Gros der einst volkseigenen Flächen zugeschustert. Nach Rechnung der AbL seien 90 Prozent der Äcker und Wiesen an "agrarindustrielle Betriebe verpachtet worden". Für 27 Jahre.
AbL und Bauernbund sagen, das bremse klein- und mittelbäuerliche Betriebe aus. Dabei waren sie schon bei der Vermögensauseinandersetzung beim Ausscheiden aus der Genossenschaft oft benachteiligt worden. In einem spektakulären Fall "wettbewerbsverzerrender" Landvergabe rief eine Familie aus Mecklenburg-Vorpommern jetzt den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an, weil sie seit vier Jahren auf ein Berufungsverfahren vor dem Landgericht Berlin wartet.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.