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Bayern: Der ehrenwerte Adolf Hitler

Die mittelfränkische Stadt Schwabach will NS-Größen die Ehrenbürgerwürde aberkennen.

Die mittelfränkische Stadt Schwabach hat 17 Ehrenbürger. Fritz Ribot etwa, ein Seifenfabrikant, steht auf der Liste der ehrenwerten Bürger, und Hans Hocheder, Sozialdemokrat und erster Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg. Bevor Hocheder dieses Amt antrat, saß er im Konzentrationslager Dachau ein.

Doch finden sich in der Aufstellung 64 Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs auch drei Nazigrößen. Julius Streicher war fränkischer Gauleiter und Herausgeber der Hetzzeitung Der Stürmer. Adolf Wagner war als bayerischer Innenminister im März 1933 für den Bau des KZ Dachau verantwortlich. Und dritter im Bunde der NS-Ehrenbürger ist Adolf Hitler selbst.

Ein "Unding" sei das, findet Karl Freller, CSU-Landtagsabgeordneter aus Schwabach und Direktor der Stiftung bayerischer Gedenkstätten. Zumal bis vor kurzem die drei Namen auch auf der Internetseite der Stadt gelistet waren, ordentlich in alphabetischer Reihenfolge: Alt-Bürgermeister Hartwig Reimann zwischen Hitler und Streicher. Inzwischen sind die drei Namen gelöscht, und es wird stattdessen wortreich erklärt, wie üblich es damals war, Nazigrößen zu Ehrenbürgern zu ernennen. Freller reicht das aber nicht. Er beantragte im Stadtrat, die Ehrenbürgerwürde für Hitler, Streicher und Wagner aufzuheben. Am heutigen Freitag wird darüber entschieden und Freller geht davon aus, dass sein Antrag angenommen wird.

Die Stadt weist allerdings darauf hin, dass der Widerruf ein rein "deklaratorischer Akt" würde. Denn das Ehrenbürgerrecht ist ein höchst persönliches Recht, das nur lebende Personen innehaben können und das mit dem Tod automatisch erlischt. Auch wenn das formal stimmt, will Freller die Deklaration.

CSU-Oberbürgermeister Matthias Thürauf sagt, er könne seinen Parteifreund verstehen. Er sei sich aber sicher, dass seine Amtsvorgänger keineswegs unsensibel mit dem Thema umgegangen seien. "Sie haben sich sehr bewusst dafür entschieden, diesen Vorgang als Teil der Geschichte und vor allem als Mahnung stehen zu lassen." Sich heute nochmals ausdrücklich von der damaligen Entscheidung zu distanzieren, hält er immerhin für "unschädlich".

Autor:  IRIS HILBERTH
Datum:  27 | 3 | 2009
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