Herr Professor Mintzel, der CSU-Parteivorsitzende Erwin Huber hat am Sonntag voreilig gesagt, dass bei schlechtem Abschneiden seiner Partei wohl Sach-, aber keine Personaldebatten kommen würden.
Nein, die Personaldebatte ist unvermeidlich! Das war immer klar, wenn es wieder 50 Prozent plus X werden, dann bleiben Günther Beckstein und Huber ungeschoren. Wenn es wirklich deutlich unter 50 Prozent ist, dann ist ein Putsch angesagt.
Interaktive Grafik: Landtagswahlen in Bayern
Und wer soll diesen Putsch anführen?
Das ist die große Frage. Das Führungspersonal in der CSU wird langsam knapp. Die Partei braucht eine überragende Führungsperson, die die alten Formeln der Macht durchhalten kann. Die CSU, das war einst Franz Josef Strauß - den gibt es nicht mehr. Dann stand die CSU für ganz Bayern, der Wahlausgang sagt etwas ganz anderes: Die CSU ist nicht Bayern. Und die magische Formel "50 Prozent plus X" ist auch dahin. Alle diese Prägestempel des Erfolgs sind verloren.
Wer kann sie jetzt ersetzen?
Es ist vor allem die Frage, wer aus ihrer Führungsriege Bayern als Ganzes repräsentieren kann. Strauß war ein Gesamtbayer, ein Staatsbayer. Bei ihm dachte niemand an eine Region. Beckstein verkörpert doch eine trockene fränkisch-protestantische Synodalbiederkeit - das ist Regionalität. Huber ist wald-bäuerisch, bübisch und verkrampft, er ist ein Niederbayer. Selbst Edmund Stoiber wurde als Gesamtbayer identifiziert. Es gibt jetzt nur einen, der eine entwicklungsfähige neue Form für eine solche Rolle hat: Horst Seehofer.
Was haben Beckstein und Huber außerdem falsch gemacht, wenn sie jetzt so runter fallen?
Sie haben nicht alles falsch gemacht, sie leiden unter den Nachwirkungen der Stoiber-Ära. Sie haben aber auch kein kompaktes zukunftsträchtiges Programm; Stoiber hat das 2003 noch gehabt. Stattdessen Wahlkampfparolen, die rasch verpufft sind, Hubers Kreuzzug gegen die Linken und Versprechen, die nicht durchgehalten werden konnten wie die zur Pendlerpauschale. Ganz abgesehen von der Formulierung Becksteins, dass ein anständiger Bayer die CSU wähle: Das hat große Proteste ausgelöst; das zeugt vom arroganten Politikstil.
Die Linke könnte nun auch in den bayerischen Landtag einziehen - ein zweiter Verlierer dieser Wahl wäre dann wohl die SPD?
Sie hätte dann ein Riesenproblem, ganz besonders aber in Bayern. Die SPD ist hier schon in der Daueropposition und jetzt wird sie noch einmal geschwächt. Die Linke nimmt der SPD die Kraft, kann aber selbst noch nichts bewirken.
Interview: Viktor Funk
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