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Bayernwahl: Zwischen Schock und Schadenfreude

Wie die Berliner Parteispitzen auf das Ende der weiß-blauen Ära reagieren. Von unseren Korrespondenten

BERLIN. "Für ne Koalition mit der FDP wird's wohl reichen!" In der CDU-Bundesspitze blüht am frühen Sonntagabend der Galgenhumor. Nicht, dass sie nicht vorbereitet gewesen wären. Schließlich bekommen die Parteien auch noch Umfragedaten in der letzten Woche vor einer Wahl, wenn die Institute sie nicht mehr veröffentlichen. Bei allen lautete der Trend: Die CSU bröckelt weiter.

Doch lange herrschte Zweckoptimismus nach dem Motto: Das kann doch nicht wahr sein! Wenn die Leute merken, es wird ernst, werden sie schon noch vernünftig. Das Gegenteil scheint eingetreten: Sie haben gemerkt, es wird ernst - und sie fanden, es ist grad recht so! Angela Merkel, der Königin der SMS, reicht an diesem Sonntag die Kurzmitteilung nicht. Die Telefone der CDU-Vorsitzenden, Festnetz wie Handy, bekommen kaum eine Pause.

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Es gibt viel zu reden - mit Erwin Huber, dem Noch-Kollegen an der CSU-Spitze, mit Günther Beckstein, dem Kollegen Noch-Regierungschef und natürlich mit den Spitzen ihrer Partei. Generalsekretär Ronald Pofalla spricht die Argumentationslinie für seinen kurzen Auftritt in der Parteizentrale, für die traditionelle Berliner Runde im Fernsehen ab. Bloß keine Häme, bloß keine Schadenfreude. Nichts beschönigen, aber auch die Wahrheit nicht zu deutlich aussprechen: Da ist eine Ära zu Ende gegangen. Dieser Wahlabend wird in die Geschichte eingehen als das Ende des schwarzen Königreichs Bayern mit absoluter Monarchie der CSU-Dynastie. Die Wittelsbacher? Geschichte. Die CSU um ihre Aura gebracht.

Aber selbstverständlich haben sie Gründe, sich und einander zu trösten: Aus Weiß-Blau wird nicht Rot. Die meisten Stimmen sind in der Familie geblieben. Bei den Freien Wählern. Viele von denen waren mal in der CSU, haben sich wegen örtlicher, persönlicher Differenzen zerstritten. Das ist keine eigene Welt. Und die Liberalen - Bürgerliche sind sie auch.

Des einen Leid ist des anderen Freud. Ganze 14 Jahre haben die Liberalen auf diesen Moment gewartet: Nicht nur die harte Zeit der außerparlamentarischen Opposition geht an diesem Sonntag zu Ende. Gut möglich, dass die FDP am Ende gleich als Juniorpartner auf der Regierungsbank landet. Dafür steht die Partei, anders als Freie Wähler und Grüne, jedenfalls bereit. Schon seit Wochen legten Umfragen nahe, dass die Liberalen diesmal die Fünf-Prozent-Hürde überspringen würden. Offenbar ist es ihnen mit ihrem Spitzenkandidaten, dem Bundestagsabgeordneten Martin Zeil, aber gelungen, in der bürgerlichen Mitte zu punkten, obwohl sie in der Landespolitik bislang nicht als treibende Kraft wahrzunehmen waren.

In der Berliner SPD-Zentrale sorgt der historische Absturz der CSU für Schadenfreude. Doch scheint das eigene Ergebnis kaum die eigenen - recht bescheidenen - Erwartungen zu erfüllen.

Bayerische Landtagswahlen sind seit langem schon keine vergnügungssteuerpflichtigen Veranstaltungen mehr für Genossen, doch nach dem Debakel vor fünf Jahren, als die SPD gerade 19,6 Prozent eingefahren hatte, hatten sich Franz Maget und seine Leute doch ein wenig mehr erhofft.

Die bundespolitische Bedeutung des Urnengangs ist indes, zumindest aus sozialdemokratischer Sicht, überschaubar. Den Strategen im Willy-Brandt-Haus, den alten wie neuen, war längst klar, dass die SPD nicht auf Rückenwind aus Bayern hoffen konnte. Immerhin aber bläst der Union nun der Wind kräftig ins Gesicht. Das darf die Genossen freuen - und tut es auch.

Zweistellig könnten sie dieses Mal werden, hatten die bayerischen Grünen im Wahlampfendspurt die Backen kräftig aufgeblasen. Eine neun vor dem Komma, wie es einige Demoskopen vorhergesagt hatten, wäre der "helle Wahn", hatten sie auch in der Berliner Bundespartei vor Selbstbewusstsein gestrotzt. Als die einzig wahre ökologisch-moderne Alternative boten sich die Bayern-Grünen an und hatten mit ihrem populären Spitzenmann Sepp Daxenberger das beste Aushängeschild für ein Rekordwahlergebnis. Eines dürften sie erreicht haben: Überlebensgroß hatten sie den CSU-Matadoren Huber und Beckstein an die Staatskanzlei projektiert: "Geht mit Gott, aber geht".

Bei der Linkspartei scheint plötzlich das Undenkbare möglich: Hätte jemand vor einem Jahr behauptet, die Linke hätte in Bayern ernsthafte Chancen, an der Fünf-Prozent-Hürde zu kratzen, er wäre belächelt worden. Im vergangenen Frühjahr Einzug ins Rathaus Bremen? Meinetwegen. Hessen und Niedersachsen? Damit hatte die Linke auch nach Westen rübergemacht. Aber Bayern? Das wäre aus Sicht der Lafontaine-Truppe das Meisterstück. bho, doe, eff, krö, que, vgo

Autor:  UNSEREN KORRESPONDENTEN
Datum:  29 | 9 | 2008
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