Er kennt alle Nahostinitiativen der vergangenen dreißig Jahre. Er hat mit jedem der fünf US-Präsidenten seit 1981 zusammengearbeitet. Kein anderer Teilnehmer der Friedensrunde in Washington hat so viele Erfahrungen im arabisch-israelischen Verhandlungsgeschäft wie der 82-jährige ägyptische Staatschef Hosni Mubarak. Seine Treffen mit israelischen Regierungsvertretern sind ungezählt, auch wenn er – außer bei der Beerdigung von Izchak Rabin 1995 – nie einen Fuß auf israelischen Boden gesetzt hat.
Die Entscheidung Ägyptens, als erstes Land mit Israel Frieden zu schließen, „kostete meinem Vorgänger Anwar as-Sadat das Leben“, erinnerte er am Mittwoch in einem Beitrag für die New York Times an den Ausgangspunkt von Camp David 1979. Bei dem Anschlag in Kairo zwei Jahre später stand Mubarak neben Sadat auf der Ehrentribüne und blieb unverletzt. Diese Mordtat hat bei ihm nicht nur tiefes Misstrauen gegenüber allen islamistischen Kräften hinterlassen. „Seit diesem Tag habe ich versucht, den Traum eines permanenten Friedens im Nahen Osten in die Tat umzusetzen“, sagt er.
Dennoch ist er kein Träumer. Er weiß, die Ausgangslage heute ist schwieriger als noch vor zehn Jahren. Damals hatten sich beide Seiten im ägyptischen Badeort Taba auf dem Sinai in nahezu allen Streitpunkten geeinigt – die Grenzen eines palästinensischen Staates, Jerusalem als gemeinsame Hauptstadt, die Zukunft der Siedlungen sowie das Recht auf Rückkehr für die in den Kriegen 1948 und 1967 Vertriebenen. Danach ging es nur noch bergab.
Die gemäßigten Kräfte in Israel verloren an Boden, auf palästinensischer Seite sind Hamas und Fatah hoffnungslos verfeindet. Die größte Hürde auf dem Weg zum Erfolg sei psychologischer Natur – der kumulative Effekt von Jahren der Gewalt und Ausbreitung jüdischer Siedlungen, „der zu einem Zusammenbruch des Vertrauens auf beiden Seiten geführt hat“, erläuterte Mubarak und plädierte für eine internationale Schutztruppe in der Westbank, die „beiden Seiten Vertrauen und Sicherheit geben könnte, nach der sie streben“.
Israel möge „seine Hand zu den Arabern ausstrecken – um des Friedens willen“
Dem jungen Präsidenten Barack Obama riet der alte Fuchs, „die beiden Seiten nicht alleine zu lassen“ und sich in den nächsten Monaten immer wieder einzumischen. Auch Ägypten stehe als Gastgeber bereit für weitere Gesprächsrunden zwischen Premier Benjamin Netanjahu und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas. Vorausgesetzt Israel verlängert den Baustopp für seine Siedlungen über den 26. September hinaus – und zwar bis zum Abschluss eines Friedensabkommens.
Ungewiss ist, wie lange Mubarak seine Rolle als ehrlicher Makler im Nahostgeschäft noch spielen kann. Die Gerüchte um seine Gesundheit wollen nicht verstummen, seit er sich im März in Heidelberg die Gallenblase und ein Darmgeschwür entfernen ließ. Mit im Gefolge in Washington ist auch Sohn Gamal, um ihn mit der israelischen Führung bekanntzumachen und den Chef des Weißen Hauses dezent auf einen möglichen Nachfolger einzustimmen.
Vater Hosni Mubarak dagegen, dessen vierte Amtszeit im September 2011 endet, war ein politisch unerfahrener General, als Vorgänger Sadat ihn im April 1975 überraschend zu seinem Stellvertreter ernannte. „Kriege lösen niemals Probleme. Sie bringen nur Blutvergießen und die Vernichtung von Ressourcen.“ Diese Erkenntnis nahm er damals aus seinen Armeejahren mit ins Präsidentenamt – und blieb ihr treu. „Während meiner Karriere in der ägyptischen Luftwaffe habe ich den Preis für Kriege zwischen Arabern und Israelis gesehen“, sagte er beim Nahostgipfel. „Und so beschwöre ich Israel, seine Hand zu den Arabern auszustrecken – um des Friedens willen.“
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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