Seoul. Nordkorea treibt nach Medienberichten den Wiederaufbau seiner umstrittenen Atomanlagen in Yongbyon weiter voran. Es gebe Anzeichen dafür, dass die Wiederaufbauarbeiten in der Endphase seien, berichtete die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Dienstag.
Die Arbeiten seien seit Anfang des Jahres im Gange, so Yonhap unter Berufung auf Regierungskreise in Seoul. Südkoreanische Medien hatten bereits kurz nach dem zweiten nordkoreanischen Atomtest am 25. Mai berichtet, dass die Atom-Wiederaufarbeitungsanlage im Atomkomplex von Yongbyon offensichtlich wieder gestartet sei. In der Anlage lässt sich Plutonium aus benutzten Kernbrennstäben zurückgewinnen. Wesentliche Teile seiner Nuklearanlagen hatte Nordkorea im Rahmen eines im Februar 2007 mit den USA, China, Russland, Südkorea und Japan geschlossenen Abkommens unbrauchbar gemacht.
Das kommunistische Land hatte Mitte Juni als Antwort auf verschärfte Sanktionen des Weltsicherheitsrats wegen des Atomtests unter anderem die Produktion weiterer Kernwaffen angekündigt. Eine unabhängige Überprüfung der Nuklearaktivitäten in Nordkorea ist nicht möglich, seitdem Pjöngjang im April internationale Atominspekteure des Landes verwiesen hatte.
Zuvor hatte Nordkorea seine Bereitschaft zu Gesprächen über sein Atomprogramm bekräftigt, ohne aber den Willen zu einer Rückkehr zu den Sechser-Verhandlungen erkennen zu lassen. Mit einem Massenspektakel im Stadion von Pjöngjang feierten Militärmachthaber Kim Jong Il und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao am Montag den 60. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen.
Bei seiner Visite hat Wen Jiabao den Militärführer bislang noch nicht zu einer Rückkehr zu den Sechs-Parteien-Gesprächen über ein Ende seines Atomwaffenprogramms bewegen können. Am Sonntag hatte Regierungschef Kim Yong Il lediglich erklärt, Nordkorea wünsche unverändert eine nuklearwaffenfreie koreanische Halbinsel und sei "zu bilateralen und multilateralen Gespräch mit diesem Ziel bereit", wie Chinas Außenministerium in Peking berichtete. Er wiederholte damit im wesentlichen nur eine Erklärung von Kim Jong Il von Anfang September, der die Sechser-Runde im April einseitig aufgekündigt hatte. (dpa)
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