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05. Oktober 2012

Berlin: Öko-Spinner – das war einmal

 Von Gesa Mayr
"Bio nach EG-Öko-Verordnung": In Berlin gibt es über 50 Bio-Supermärkte.Foto: dapd

Bio-Produkte haben sich aus der Öko-Nische zu einem Massenphänomen entwickelt. 70 Prozent der Berliner kaufen gelegentlich bis häufig Bio, in einem von mehr als 50 Bio-Supermärkten oder Discountern, die den Trend ebenfalls aufgreifen.

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Berlin –  

Im Schaufenster von Berlins erstem Bio-Laden „Kraut und Rüben“ in Kreuzberg leuchtet es gelb und rot: Es ist Äpfelzeit. Das Klischee des angedetschten Schrumpelapfels lässt sich hier nicht bestätigen. „Optisch können wir jetzt ganz gut mithalten“, sagt Annette Reis.

Seit 1989 verkauft sie mit ihren Mitstreiterinnen Bio-Lebensmittel in dem kleinen Eckladen in der Oranienstraße. Das Kraut-und-Rüben-Sortiment kommt aus der Region oder aus kontrolliertem Bio-Anbau. „Früher waren wir die Öko-Spinner“, sagt Reis. Heute kommen die Leute zu ihr in den Laden, weil sie die Qualität des Gemüses und Obstes schätzen – und zwar trotz Studie, die herausgefunden haben will, dass Bio-Produkte nicht gesünder sind als normale Produkte.

„Ich glaube nicht, dass ich davon länger lebe“, sagt Nicholas, 40 Jahre alt, der gerade ein paar Radieschen aus der Region in seinen Korb gelegt hat. Er kaufe Bio wegen der Wirtschaftsweise. „Das ist einfach ein anderer Umgang mit der Natur.“ – „Natürlich kaufe ich nach wie vor Bio“, sagt auch Wiebke, 39 Jahre alt. „Es geht ja auch um das Bewusstsein fürs Produkt und wo es herkommt.“ Egal, ob man Kunden vor dem Bioladen oder bei Aldi anspricht, die Antwort lautet fast immer: Bio kauft man aus Überzeugung, es geht um mehr als Gesundheit, es geht um faire Löhne, artgerechte Tierhaltung und die Schonung der Umwelt.

Mehr als 50 Bio-Supermärkte in Berlin

Das wundert Branchenkenner Michael Wimmer nicht. Er ist Geschäftsführer der Fördergemeinschaft ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg. „Die meisten Bio-Fans wissen um die komplexe Nachhaltigkeits-Dimension“, sagt er. Eine missverständliche Studie bringe sie nicht aus dem Konzept.

Mehr als 50 Bio-Supermärkte gibt es in Berlin, Marktführer ist mit 22 Filialen „Bio Company“. Im Jahr 1999 eröffnete die Kette in Charlottenburg Berlins ersten Bio-Supermarkt. Anfangs war der Laden gar nicht als Kette geplant, doch der Markt entwickelte sich so gut, dass das Unternehmen sogar vereinzelt Filialen in Dresden und Hamburg unterhält.

Noch im Oktober will die Bio-Supermarktkette zwei weitere Berliner Filialen eröffnen. Die meisten Bioläden gibt es in Mitte, Kreuzberg und dem Prenzlauer Berg. Mittlerweile haben sich auch Ketten wie „Viv“, „Denn’s“ oder „LPG“ etablieren können. Außerdem gibt es rund 60 Naturkostgeschäfte, also kleinere Bioläden, in Berlin.

„Bio-Hauptstadt“ wird Berlin wegen der vielen Geschäfte oft genannt. Eine Studie zeigt: Rund 70 Prozent der Berliner kaufen gelegentlich bis häufig Bio. „Mittlerweile dürften es noch wesentlich mehr sein“, sagt Peter Röhrig vom Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft. Er geht davon aus, dass mit dem wachsenden Sortiment auch mehr Bio konsumiert werde.

Und das Geschäft mit Bio lohnt sich: 250 Millionen Euro Umsatz machen die Bio-Supermärkte und Bioläden in Berlin und Brandenburg im Jahr. Discounter und Supermärkte wie Rewe, die ebenfalls Bio-Produkte anbieten, sind da noch nicht mit einberechnet. Und die Branche rechnet mit Umsatzsteigerungen.

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