Nun auch Berlin. Wahl vorbei, Ergebnis deprimierend, Opposition. „Wir sind schon lange auf einer schiefen Ebene“, sagt ein Bundestagsabgeordneter im ehemaligen Kosmos-Kino an der Karl-Marx-Allee, wo die Linke am Wahlabend ist – feiert kann man nicht sagen. „What a wonderful world“, spielt die Jazz-Band. Ist es aber nicht. Im Kosmos endet eine lange Reihe aus schlechten Wahl-Resultaten: Baden-Württemberg – Einzug in den Landtag verpasst, Rheinland-Pfalz – auch. Hamburg, Bremen – Stillstand, Sachsen-Anhalt – schwächer als erträumt. Nur in Mecklenburg-Vorpommern legte die Linke leicht zu. Bundesweit hat sich ihre Zustimmung seit 2008 halbiert.
Mit der Linken ist nichts mehr los. Und das, obwohl ihre Stunde geschlagen hat: Chaos im Weltfinanzsystem, Euro-Krise. Aber die Linke wird politischer Statist. Ihr geht es wie Buridans Esel aus der alten Geschichte, der zwischen zwei Heuhaufen steht und sich nicht entscheiden kann, welchen er zuerst fressen soll. Am Ende verhungert der Esel.
Buridans Linke ist noch nicht verhungert, aber die Partei ist ähnlich ratlos wie das Eselchen. Sie verliert, beschäftigt sich mehr mit sich selbst, als ihr lieb ist, weiß nicht, wohin. Soll man mitregieren, sich auf Kompromisse einlassen? Oder bleibt man beim simplen Anti: Anti-Rente-mit-67, Anti-Kapitalismus? Die Linke braucht zudem eine neue Spitze: Das Duo Gesine Lötzsch und Klaus Ernst gilt als überfordert.
Debatte um Spitzenduo
Jetzt, heißt es in der Linken, werde die Debatte lauter. „Zeitnah“ muss etwas passieren, meint einer. Aber was? „Wir müssen endlich Politik machen“, ruft Fraktionschef Gregor Gysi in den Kosmos-Saal. „Wir brauchen eine Zukunftserzählung“, meint ein anderer Genosse. Aber welche? Die Linke müsse Partei werden, ruft Gysi. Aber was für eine? Der nüchterne Realismus der Ost-Linken mit ihrem Regierungsstreben zündet nicht. Auch die West-Linken haben nicht die „Zukunftserzählung“: Die hohen Wellen der Hartz-IV-Empörung – seit Jahren verebbt.
Dietmar Bartsch, der ehemalige Bundesgeschäftsführer, wird ins Spiel gebracht. Er soll die Linke dazu bringen, sich endlich für einen Heuhaufen zu entscheiden. Aber Bartsch funktioniere nur in einem Gesamtpaket aus mehreren Personen, heißt es. Und das nur per Mitgliederentscheid, vielleicht im Frühjahr. Sie geht also wohl weiter, die Geschichte vom Esel, vom Heu und der Linken.
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