Was hat Horst Seehofer mit Andrea Ypsilanti zu tun? Mehrere Wenn-dann-Sätze. Wenn der neue Hoffnungsträger der CSU auch Ministerpräsident wird, dann braucht er in Berlin einen Nachfolger. Wenn Andrea Ypsilanti hessische Ministerpräsidentin wird, dann gibt es in Wiesbaden einen überqualifizierten Arbeitslosen.
Dann könnte Angela Merkel auf die Idee kommen, gegen das eherne Kanzlergesetz zu verstoßen: möglichst wenig Veränderungen im Kabinett. Denn Roland Koch - das wäre ein Wirtschaftsminister, wie sich die CDU-Vorsitzende ihn für den Bundestagswahlkampf nur wünschen könnte. Wenn Koch aber käme, dann müsste Michael Glos gehen...
Kompliziertes Personalkarussell
Der Ministerpräsident wird in München Ende Oktober gewählt. In Wiesbaden soll das "Projekt Ypsilanti" Anfang November starten. Wenn die Kanzlerin also die Entscheidung über die Nachfolge Horst Seehofers hinauszögerte, dann würde sich Glos nicht zu Unrecht über seine Demontage beklagen. Wenn das alles so kompliziert ist, dann könnte Merkel womöglich noch ein wenig warten und Koch erst in ihre Mannschaft zur Bundestagswahl aufnehmen.
Viele wenn, dann. Wenn es zu viele sein sollten, dann könnte sich Merkel für eine einfache Lösung entscheiden und aus den Reihen der CSU-Landesgruppe einen neuen Landwirtschaftsminister berufen. Peter Ramsauer zum Beispiel. Landesgruppenchefs sind geborene Anwärter auf Ministerämter.
Ob den "Schwarzen Peter" allerdings das Schicksal seines Vorgängers Michael Glos im Wirtschaftsministerium den Wechsel attraktiv erscheinen ließe? Außerdem: Dass er seinen aktuellen Job nach der Bundestagswahl weiter machen kann, ist mehr als wahrscheinlich. Ob er wieder Minister würde, hängt von vielen Unwägbarkeiten ab, unter anderem der Koalitionsfrage. Seehofers Nachfolger in Berlin hört daher wohl nicht auf den Namen Ramsauer.
Aber wie wär's mit Gerd Müller? Der ist Seehofers parlamentarischer Staatssekretär. Leichtgewicht, hallt es aus den Reihen seiner Kollegen. Außerdem: Die jüngeren um den außenpolitischen Experten Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg wollen ein Zukunftssignal. Wen? Da mögen sie sich nicht in die Karten schauen lassen.
So bleibt es vorerst beim Alten. Zur Koalitionsrunde am Sonntagabend im Kanzleramt wird Peter Ramsauer erscheinen. So viel ist sicher. Und Erwin Huber, der Parteivorsitzende auf Abruf. Ramsauer hat bereits angekündigt, dass es in Zukunft mit der CSU nicht einfacher werde in der Koalition. Aber ist von den beiden wirklich zu erwarten, dass sie kraftvoll auf christsozialen Maximalpositionen bestehen? Dazu haben sie den Kopf zu sehr mit anderem voll.
Zum Beispiel: Noch kann sich der Landesgruppenvorsitzende zwar damit schmücken, dass er den neuen CSU-Chef vorgeschlagen hat. Aber wenn der im Amt ist und in seinem Ministeramt bleiben sollte - dann müsste sich das Kräfteverhältnis neu zurechtrütteln. Der Landesgruppenchef wäre nicht mehr die Nr. Eins der Landesgruppe. Wenn Seehofer aber ganz nach München wechselte, dann würde Ramsauer daran gemessen, wie stark er auf die fällige Kabinettsumbildung Einfluss nähme. Wenn, dann... Unsichere Zeiten für die CSU auch in Berlin.
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