Damals schätzte das Kollegium die musikalisch-fachlichen Fähigkeiten des Lehrers sehr, er sollte ein Musikensemble aufbauen. Da wollte man von pädophilen Neigungen lieber nichts wissen. Erst bei der jüngsten Elternversammlung entschuldigte sich eine damals beteiligte Lehrerin dafür. Wegen der Qualität des Lehrers habe man vernachlässigt, „dass es eine Betroffene gab, deren Stimme man hätte hören können“, sagte die Lehrerin. Heute würde man anders entscheiden. Viele Eltern schüttelten den Kopf. „Unglaublich“, rief jemand.
„Uns ist heute der Schutz des Opfers wichtiger als der Schutz des Kollegen“, sagte Geschäftsführerin Plümacher. Tatsächlich informierte die Schulleitung umgehend Lehrer, Schüler und Eltern. Auf der ersten Vollversammlung Anfang des Jahres wurde kontrovers diskutiert, Eltern forderten mehr Informationen und richteten Arbeitsgruppen ein. Es ging um „Sexualkunde im Unterricht“ und um „Nähe und Distanz in der Pädagogik“. Ein Gruppe sprach über „Prävention von Grenzüberschreitungen“. In der vergangenen Woche wurden Ergebnisse vorgestellt. Eine Mutter meinte, Kinder würden oft mehr über Sexualität wissen, als Lehrer denken. Ein Lehrer fragte sich öffentlich, ob er Erstklässler noch auf dem Schoß nehmen dürfe. Ein Vater war entsetzt, dass eine Schülerin erst nach Jahren über eine Missbrauchserfahrung spreche.
Arbeitsrechtlich heikel
Die Schulleitung ist sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher, ob die Kündigung vor Gericht überhaupt Bestand haben wird. Nicht ausgeschlossen ist auch, dass eine mögliche Tat bereits verjährt ist.
Die GEW gibt Lehrern bei Arbeitsrechtsverfahren für gewöhnlich Rechtsschutz. Der konkrete Fall ist dort aber nicht bekannt. „Man muss immer den Einzelfall betrachten und die Verhältnismäßigkeit wahren“, sagte GEW-Arbeitsrechtlerin Gabriele Kupp. Allerdings könne eine Kündigung in solchen Fällen wirksam sein, weil Lehrer Vorbildcharakter haben.
Der Musiklehrer selbst wollte sich auf mehrfache Anfrage der Berliner Zeitung nicht zu den Vorwürfen äußern. „Das ist Privatsache“, sagte er am Telefon. Auch sein Anwalt gab keine Auskunft.
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