Wer in Berlin ein Auto anzündet, kann schnell zu einer politischen Symbolfigur werden - wie jetzt Alexandra R. Seit drei Monaten sitzt die Berlinerin in Untersuchungshaft. Die 21-jährige soll versucht haben, mit Grillanzündern ein Auto anzustecken.
Ihre Anwältin Martina Arndt versucht seitdem, sie frei zu bekommen. Jetzt hat das Kammergericht als letzte Instanz entschieden, dass Alexandra R. bis zur Verhandlung inhaftiert bleibt: Sie sei dringend tatverdächtig, es bestehe Fluchtgefahr.
Ihre Freunde bezeichnen sie als Geisel der Politik, ihre Feinde als Hassbrennerin. Die einen fürchten sich davor, dass sie bald die Mieten nicht mehr zahlen können, und die anderen, dass demnächst ihr Auto brennt. Alexandra R. gehört zur ersten Gruppe. Sie hat schon mal Steine auf eine Bank geworfen und auch schon eine linke Demonstration angemeldet.
Anwältin findet lange Untersuchungshaft unverhältnismäßig
Jetzt ist sie als politische Straftäterin angeklagt. Denn zuletzt sind nach Autobränden auch Bekennerschreiben aufgetaucht. Deren Tenor ähnelt dem Vers der Berliner Rapper von K.I.Z.: "Wenn sie versuchen, mich aus dem Kiez zu verdrängen, zünd´ ich ein Auto an, um die Miete zu senken". Brannten früher jährlich zwischen 15 und 30 Autos in Berlin, gehen seit 2007 mehr als 100 Fahrzeuge in Flammen auf.
Die Hauptstadt-CDU setzte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zunehmend unter Druck. Da passte es gut, als am 18. Mai Alexandra R. festgenommen wurde. Doch das Amtsgericht entschied, sie bis zum Verfahren auf freien Fuß zu setzen. Die Staatsanwaltschaft legte Widerspruch ein. Das Kammergericht gab ihr recht: Um andere abzuschrecken, sei es möglich, dass die Strafe entsprechend hoch ausfalle.
Eine Bewährung sei vermutlich nicht möglich. Fraglich ist allerdings, ob die Taktik aufgeht. Denn seit Juni brannten bald täglich Autos. Mittlerweile ist die Statistik für 2009 bei 200 Brandstiftungen angelangt. Rund die Hälfte davon seien politisch motiviert, heißt es bei der Berliner Polizei.
Anwältin Arndt findet die lange Untersuchungshaft unverhältnismäßig. Schließlich habe die Familie eine Kaution stellen wollen. Doch dies habe das Gericht abgelehnt. Zudem gebe es neben der Aussage des Polizisten, der Alexandra R. am Tatort gesehen haben will, keine Beweise: Kein Grillanzünder an den Fingern der jungen Frau, keine Spuren am Auto.
Staatsanwaltschaft und Gericht äußern sich dazu nicht. Man wolle das Verfahren abwarten, sagt eine Sprecherin der FR. Als vor gut zwei Jahren ein Brandstifter in einem ähnlichen Fall verurteilt wurde, bekam er sieben Monate. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.