Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flucht und Zuwanderung | USA nach der Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

04. Oktober 2012

Beschneidungsdebatte: Beschneidung bleibt zulässig

 Von Christian Bommarius
Beschneidungswerkzeug in einer Israelitischen Kultusgemeinde.  Foto: dpa

Jüdische und muslimische Organisationen begrüßen den Gesetzentwurf der Bundesregierung, den das Kabinett in der nächsten Woche verabschieden will.

Drucken per Mail

Der von der Bundesregierung erarbeitete Gesetzentwurf zur Beschneidung bei Jungen stößt bei Vertretern der jüdischen und muslimischen Gemeinschaften auf breite Zustimmung. Er sei „ein klares politisches Signal, dass Juden und Muslime weiterhin in Deutschland willkommen sind“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, am Donnerstag: „Wir sind froh, dass jüdische Gebote und damit jüdisches Leben nicht in die Illegalität gedrängt werden.“ Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) begrüßte den Entwurf.

Der Gesetzentwurf, den die Bundesregierung am Mittwoch verabschieden will, sieht vor, dass die Beschneidung an bis zu sechs Monaten alten Jungen zulässig ist, wenn die Eltern zustimmen und der Eingriff medizinisch fachgerecht erfolgt.

„Möglichst Schmerzfreiheit“

Bei der Beschneidung müsse „möglichst Schmerzfreiheit“ gewährleistet sein; sie müsse unterbleiben, wenn „eine Gefahr für das Kindeswohl“ bestehe. Auch seien Gesundheitsrisiken zu beachten, beispielsweise bei Frühgeburten oder wenn der Säugling Bluter ist.
Vor einer Woche hatte das Bundesjustizministerium ein Eckpunktepapier vorgelegt, das nunmehr zu einem 26-seitigen Gesetzentwurf ausgearbeitet wurde. Wie von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vorgeschlagen, soll die Regelung als neuer Paragraf 1631d im Recht der elterlichen Sorge des Bürgerlichen Gesetzbuchs eingearbeitet werden.

Thema: Beschneidung

Beschneidung an Jungen - Körperverletzung oder harmloser Eingriff? Diskutieren Sie mit.

Nach Absatz 1 gilt: „Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des nicht einsichts- und urteilsfähigen Kindes einzuwilligen, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt wird. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.“

Mögliche Gefährdung

Absatz 2 sieht vor, dass in den ersten sechs Monaten nach der Geburt auch „von einer Religionsgemeinschaft dazu vorgesehene Personen Beschneidungen gemäß Absatz 1 durchführen, wenn sie dafür besonders ausgebildet sind und, ohne Arzt zu sein, für die Durchführung der Beschneidung vergleichbar befähigt sind“. In der Begründung des Gesetzentwurfs wird darauf verwiesen, dass weltweit kein Staat bekannt sei, „in dem eine mit Einwilligung der Eltern fachmännisch fehlerfrei durchgeführte Beschneidung von männlichen Kindern ausdrücklich verboten wäre“.


Die politischen Analysen und Kommentare der FR -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

Der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek lobte den Gesetzentwurf. Zugleich verwies er in der Neuen Osnabrücker Zeitung auf eine mögliche Gefährdung für den Fall einer ausbleibenden Beschneidung: „Wenn Außenstehende vehement dem Kind ihre ablehnende Haltung zur Beschneidung oktroyieren wollen und so das Kind stark verunsichern und in ein zum minimalen körperlichen Eingriff unverhältnismäßigen Konflikt stürzen, ist das eine Gefahr für das Kindeswohl.“

Auch die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, stimmte der geplanten Regelung zu. Allerdings sagte sie im ZDF-Morgenmagazin: „ Ich bin sehr traurig über die vermeintlich fanatischen Experten, die nicht in juristischer oder medizinischer Hinsicht diskutieren, sondern ganz klar antisemitische und religionsfeindliche Argumentationsmuster suchen.“ Die Diskussion um die Beschneidung habe dem Ruf Deutschlands in der Welt geschadet.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Neuer US-Präsident

Trump setzt alles auf null

Von  |
Donald Trump ist der 45. Präsident in der Geschichte der USA

Setzt Donald Trump die radikale Entideologisierung und Ökonomisierung der amerikanischen Außenpolitik tatsächlich um? Ein gespenstisches Szenario. Der Leitartikel. Mehr...

EU-Parlamentspräsident

Ausgerechnet Tajani

Im EU-Parlament umstritten: Antonio Tajani

Ließ sich unter den 751 Europaabgeordneten kein besserer Kandidat finden? Das ist traurig. Ebenso wie die Aussicht, dass das Straßburger Plenum in Selbstreflexion zu versinken droht. Der Leitartikel. Mehr...

 

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung