Aktuell: US-Wahl | Türkei | Olympische Spiele | Brexit
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

15. Dezember 2011

Bettel-Verbot: Pariser Polizei vertreibt Bettler aus der Innenstadt

 Von Jonas Nonnenmann
Guéant: Besucher sollen nicht weiter belästigt werden. (Symbolbild).  Foto: Andreas Arnold

Die französische Regierung führt einen ganz eigenen Kampf gegen Rechts: Um der „Front National“ Stimmen abzujagen, lässt sie über Weihnachten Bettler aus den Touristenvierteln vertreiben. Der Bürgermeister von Paris ist schockiert.

Drucken per Mail

Dass Weihnachten das Fest der Liebe ist, das spüren normalerweise auch die Bettler: Von Frankfurt bis Paris sind Passanten plötzlich spendabel, der Glühwein und die Adventsbeleuchtung erweichen manches harte Herz.

In Paris soll mit dem Weihnachtssegen Schluss sein.

Wie französische Zeitungen berichten, sollen in Paris Bettler zur Weihnachtszeit aus zwei besonders beliebten Zonen vertrieben werden, vor dem Louvre und um die großen Kaufhäuser (Caumartin-Haussmann).

Auf dem Champs-Elysées ist das Betteln bereits seit Monaten verboten.

33 rumänische Polizisten angestellt

Verantwortlich ist nicht die Pariser Stadtverwaltung, sondern der französische Innenminister, Sarkozys rechte Hand Claude Guéant. Der ist eigentlich für Bundespolitik zuständig, aber in Frankreich reichen seine Befugnisse relativ weit.

Ausländische Besucher sollten nicht weiter von der organisierten Bettler-Mafia belästigt werden, argumentiert Guéant - frei nach dem Motto: Wenn wir das Problem schon nicht lösen können, machen wir es eben unsichtbar. Quasi als Weihnachtsgeschenk.

Guéant spricht explizit von „rumänischen Banden“. Um aufzuräumen, habe er 33 rumänische Polizisten angestellt.

Der Bürgermeister stellt sich quer

Der sozialistische Bürgermeister von Paris hält nichts von den No-Go-Zonen.

„Es ist schockierend, die Armut mit Strafen und Repression bekämpfen zu wollen“, sagte Bertrand Delanoë in einer Mitteilung. Der Staat komme gleichzeitig seiner Pflicht nicht nach, Minderheiten zu schützen und ausreichend Notunterkünfte bereitzustellen. Delanoë beklagt außerdem, die Kampagne ziele darauf ab, Minderheiten zu stigmatisieren. Das ganze sei ein „billiger PRGag“, zitiert in der britische Guardian.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sarkozy sich auf Kosten der Schwachen profiliert. Als es in den Pariser Armenvierteln Aufstände gab, kündigte er als Innenminister an, ein Problemviertel „mit dem Kärcher“ zu reinigen. Später beherrschte er die Schlagzeilen, weil er Roma nach Rumänien und Bulgarien abschieben ließ. Jetzt darf der neue Innenminister den harten Hund spielen.

Sarkozy lenkt von den eigentlichen Problemen ab

Das Verbot ist für Sarkozy wohl ein willkommener Anlass, durch ein wenig "Kosmetik" von den eigentlichen Problemen abzulenken: Eine schwächelnde Wirtschaft, der drohende Ausbruch einer neuen Rezession und immer mehr Menschen auf der Straße.

Vermutlich steckt auch die zynische Logik dahinter, der rechtsextremen Partei „Front National“ für die Präsidentschaftswahlen 2012 das Terrain streitig zu machen. Das dürfte gelingen.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Volkswagen

Falsche Unterstützung

Von  |
Die Bänder rollen wieder: Volkswagen hat sich mit dem Zulieferer Prevent geeinigt.

Politiker haben sich im Streit zwischen Volkswagen und Prevent einseitig aufi die Seite des Konzerns geschlagen. Dieses Fehlverhalten gefährdet das Projekt VW. Der Leitartikel.  Mehr...

AfD-Erfolge

Gegen die AfD hilft Geduld

Einfach Antworten: Die AfD geizt nicht mit populistischen Slogans auf ihren Wahlplakaten.

Unbeeindruckt von innerparteilichen Streitereien feiert die AfD Erfolge. Panischer Antipopulismus von anderen Parteien hilft dagegen nicht. Besser ist geduldiges Argumentieren. Der Leitartikel. Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung