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Falsche Rechnung: Billionen für den Krieg

Die US-Regierung rechnet die Ausgaben für den Irak-Einsatz klein. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt die Kosten hingegen auf mehrere Billionen Dollar.

US-Verteidigungsminister Robert Gates (rechts) reiste am Mittwoch überraschend in den Irak.
US-Verteidigungsminister Robert Gates (rechts) reiste am Mittwoch überraschend in den Irak.
Foto: AFP

Zu Beginn gab sich die US-Regierung optimistisch. 50 Milliarden Dollar werde der Krieg im Irak kosten – inklusive Wiederaufbau. Das schätzte wenige Wochen vor der Invasion 2003 US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Es wurde mehr. Sehr viel mehr: Über eine Billion Dollar hätten die Kriege in Irak und Afghanistan die USA bislang gekostet, teilte am Dienstag US-Präsident Barack Obama mit, rechtzeitig zum offiziellen Ende des Kampfeinsatzes im Irak. „Damit untertreibt er gewaltig“, sagt Tilmann Brück, Ökonom beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), „die wahren Kosten sind viermal größer.“

Denn die Obama-Rechnung enthält nur die direkten, im US-Staatshaushalt verbuchten Kriegskosten, etwa für Sold oder Material. Etliche Milliarden werden weggerechnet. Zum Beispiel künftige Ausgaben, etwa für Zehntausende Amerikaner, die als „Berater“ im Irak bleiben. Oder die Kosten für die Pflege- und Krankenversicherung der Veteranen. 32000 US-Soldaten wurden im Irak verletzt. Dabei sind die vielen nicht enthalten, die psychische Störungen erleiden. Nach Berechnungen des Brookings Institute entwickeln rund 30 Prozent aller Heimkehrer seelische Schäden binnen drei bis vier Monaten nach dem Einsatz. „Die medizinische Versorgung der Veteranen könnte in den nächsten Jahrzehnten viele hundert Milliarden Dollar kosten“, so Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner.

Noch wichtiger: Die offiziellen Zahlen ignorieren die makroökonomischen Kosten des Krieges. Dazu gehören ein gestiegener Ölpreis, allgemeine Unsicherheit, Verluste an Produktivität und Zinsen auf Kriegskredite. „Die Zinsen können leicht die reinen Kriegsausgaben übersteigen“, sagt Brück. Selbst wenn Invasion und Besatzung des Irak nicht mit Schulden finanziert wurden, sondern mit Steuern, so entstehen daraus immer noch Kosten. „Denn die vielen Milliarden hätte man in Bildung oder Infrastruktur in den USA investieren können“, sagt der DIW-Ökonom. „Da sie aber ins Militär flossen, sind sie verloren.“

Im Vergleich mit früheren Kriegen war der Irak-Einsatz billig

Alles in allem schätzt Brück die Kosten des Irak-Kriegs auf drei bis vier Billionen Dollar – nur für die USA. Die Kosten für andere Länder, vor allem den Irak, sind bislang nicht errechnet worden.

Verglichen mit früheren Kriegen jedoch war der Einsatz im Irak für die USA relativ billig – obwohl er nach Afghanistan und Vietnam der drittlängste war. Die offizielle Zahl von einer Billion Dollar entspricht etwa sieben Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der USA – nach Berechnungen von US-Ökonom William Nordhaus lag die entsprechende Zahl für den Vietnam-Krieg bei zwölf Prozent, im Korea-Krieg waren es 15 Prozent, und der Zweite Weltkrieg kostete die USA einen Betrag, der 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprach.

„Die USA können sich Einsätze wie den Irak-Krieg wirtschaftlich durchaus leisten“, meint Commerzbank-Ökonom Bandholz. Zwar steigen die Militärausgaben stetig an, aber auch die Wirtschaftsleistung. Daher sei der Anteil der Militärausgaben am BIP seit den 50er Jahren von 14 auf fünf Prozent gesunken.

Autor:  Stephan Kaufmann
Datum:  1 | 9 | 2010
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