Der zurückgetretene Bischof von Augsburg, Walter Mixa, steht nun auch im Verdacht sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Damit erreicht der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche erstmals den Episkopat direkt. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt leitete Vorermittlungen ein, nachdem das Bistum Augsburg einschlägige Hinweise aus dem Umfeld des mutmaßlichen Opfers an die Behörden übermittelt hatte - in Übereinstimmung mit den bischöflichen Leitlinien, wie der Generalvikar des Bistums, Karlheinz Knebel, betonte.
Papst Benedikt XVI. hat den von Augsburgs Bischof Walter Mixa angebotenen Rücktritt angenommen. Das teilte der Vatikan am Samstag in Rom mit. Diese Entscheidung des Kirchenoberhauptes war bereits erwartet worden. Dem Papst lagen für seine Entscheidung auch die Informationen über den Missbrauchsvorwurf vor. Dieser bezieht sich auf die Zeit zwischen 1996 und 2005, als der heute 69 Jahre alte Mixa Bischof von Eichstätt war.
Mixa bestreitet die Vorwürfe. Sein Anwalt Gerhard Decker sagte der Augsburger Allgemeinen: "Mein Mandant weist die jetzt gegen ihn erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück und wird nach Kräften mit der Staatsanwaltschaft Ingolstadt zusammenarbeiten, um den Fall restlos aufzuklären." Er bemühe sich derzeit um Akteneinsicht.
In der vorigen Woche reisten der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, und der Münchner Erzbischof Reinhard Marx zu Gesprächen mit dem Papst in Rom. Wie es hieß, habe Papst Benedikt über ein ganzes Bündel von Problemen zu befinden gehabt. Zum einen stehen die Vorwürfe ehemaliger Heimkinder im Raum, Mixa habe sie in seiner Zeit als Stadtpfarrer im bayerischen Schrobenhausen (1975 bis 1996) systematisch geprügelt.
Mixa bestreitet zwar nach wie vor vehement jegliche Anwendung von Gewalt, will aber andererseits gelegentliche "Watsch´n" nicht ausschließen. Diese als widersprüchlich empfundene Haltung trug dazu bei, dass Zollitsch, Marx und andere Bischöfe ihrem Mitbruder im April eine Auszeit empfahlen und dieses Votum auch öffentlich machten.
Aufenthalt in Entzugsklinik
Daneben stellte ein unabhängiger Sonderermittler Unregelmäßigkeiten im Umgang Mixas mit dem Vermögen der Waisenhausstiftung fest. Die Augsburger Priesterschaft als auch die Bistumsleitung machten dem Bischof in verschiedenen Gesprächen deutlich, dass er unter diesen Umständen nicht im Amt bleiben könne. Mixa fasste daraufhin selbstständig den Entschluss zurückzutreten.
Hinzu kommen dem Vernehmen nach Probleme des Bischofs mit übermäßigem Alkoholkonsum, die nach Einschätzung von Insidern eine medizinische Intervention notwendig gemacht hätten. Zurzeit hält sich Mixa in einer Schweizer Fachklinik zum Entzug auf. Dorthin hatte er sich auf Anraten seiner Umgebung direkt nach Einreichen des Rücktrittsgesuchs am 21. April zurückgezogen.
Für einen psychisch labilen Zustand des Bischofs spricht, dass er offenbar zeitweilig einen Rücktritt vom Rücktritt erwog. Zollitsch und Marx reisten eigens in die Schweiz, um Mixa von diesem Schritt abzubringen. Ob er damit in Rom Erfolg gehabt hätte, ist freilich mehr als zweifelhaft.
Zur Unruhe und Besorgnis unter den deutschen Bischöfe tragen nicht zuletzt Informationen über eine unangemessene Nähe Mixas zu Priesteramtskandidaten und auch Priestern bei, die - wie es heißt - die authentische Amtsführung eines Bischofs als fragwürdig erscheinen ließen. In Medienberichten war dies wiederholt angedeutet worden. Trotzdem lösten die nun bekanntgewordenen Vorwürfe mitsamt den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eine Schockwelle in der Kirchenführung aus.
Der Rücktritt eines Bischofs wird nach dem Kirchenrecht erst wirksam, wenn der Papst es annimmt. Bis zur Ernennung eines neuen Bischofs wählt das Domkapitel einen "Diözesanadministrator", der dann die Amtsgeschäfte führt.
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