Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat als Stadtpfarrer von Schrobenhausen doch Kinder geschlagen. Mixa räumte am Freitag ein, er könne "die eine oder andere Watsch´n vor 20 oder 30 Jahren nicht ausschließen". Als langjähriger Pfarrer und Lehrer habe er mit sehr vielen Jugendlichen zu tun gehabt. Eine Ohrfeige als erzieherische Maßnahme sei damals "vollkommen normal" gewesen, "und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch", erklärte Mixa.
Sein Eingeständnis steht im krassen Widerspruch zu früheren Aussagen, in denen der Bischof bestritten hatte, jemals körperliche Gewalt gegen Schüler angewendet zu haben. Politiker der Grünen forderten Mixa zum Rücktritt auf. Der bayerische Landtagsvizepräsident Franz Maget legte ihm nahe, sein Amt bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe ruhen zu lasen.
Immer mehr Vorwürfe
Mixa war von mehreren ehemaligen Heimkindern beschuldigt worden, sie in den 70er und 80er Jahren geschlagen zu haben. In eidesstattlichen Erklärungen berichten sie von Ohrfeigen, Fausthieben und Schlägen mit einem Stock oder Teppichklopfer auf das Gesäß.
Erst am gestrigen Freitag belastete ein Mann, der als Jugendlicher in dem Schrobenhausener Kinderheim St. Josef untergebracht war, Mixa schwer. Er habe als 16-Jähriger versucht zu türmen und sei nach seinem Ausreißversuch von dem damaligen Stadtpfarrer "mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen worden".
Bislang hatte Mixa sämtliche Vorwürfe bestritten und den Urhebern mit rechtlichen Schritten gedroht. Sein überraschendes Bekenntnis, wird in bayerischen Kirchenkreisen vermutet, stehe im Zusammenhang mit der Ankündigung eines Berichts zu den Vorgängen in dem Kinderheim, mit dem die Katholische Waisenhausstiftung als jetziger Träger einen Ingolstädter Rechtsanwalt beauftragt hatte. Im Zwischenbericht des Anwalts Sebastian Knott, über den der Donaukurier in seiner Online-Ausgabe am Freitag berichtete, wird Mixa vorgeworfen, während seiner Zeit als Stadtpfarrer in Schrobenhausen Geld der Waisenhausstiftung satzungsfremd verwendet zu haben. Es soll sich um einen Betrag in Höhe von rund 263100 Euro handeln.
"Unerträgliche Heuchelei"
Kenner der kirchlichen Szene in Mixas Bistum Augsburg gehen davon aus, dass die Vorwürfe noch längst nicht ausgestanden sind. Der Zwischenbericht von Knott enthält im Punkt Gewalt-Vorwürfe nicht die von Mixa offenbar erhoffte Entlastung. Knott sagte zwar, nach seinen bisherigen Recherchen habe es "keine Kultur des Prügelns" gegeben, und er gehe nicht von "systematisch geplanter Gewalt oder gar von Lust an Verletzungen" aus. Der Jurist konstatiert jedoch Einzelfälle "unzulässiger Tätlichkeiten".
Der Druck auf Mixa wächst auch innerkirchlich. Die Augsburger Diözesanrätin Elisabeth Mantlik, Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, sprach von "unerträglicher Heuchelei". Sie sagte: "Von Anfang an eine ehrliche Aussage wäre hilfreich für alle gewesen." Seite 13
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.