Die gelegentlich bizarre belgische Politik, die ein ständiges Lavieren zwischen der frankophonen und der niederländischen Sprachengruppe verlangt, produziert offenbar den Typus Politiker, den Europa braucht: Wer in Belgien vermitteln kann, dem wird das auch in der EU zugetraut.
So lässt sich die Ernennung des belgischen Premierministers Herman Van Rompuy zum Präsidenten des Europäischen Rates erklären. Er ist seit einem Jahr Regierungschef; in dieser Zeit wurde es recht ruhig im bis dahin krisengeschüttelten Nachbarland. Dabei ist der flämische Christdemokrat alles andere als ein charismatischer Führer. Eher könnte er als Finanzamtsleiter durchgehen, allerdings als einer, der weiß, was er will, und es konsequent anstrebt. Danach, Premier zu werden, drängte sich der 62-Jährige nicht, und auch das europäische Spitzenamt, das er jetzt übernimmt, strebte er nicht an. Vielleicht, weil er ahnte, dass den Mächtigen in den großen EU-Staaten ohnehin einen wie ihn auf diesem Posten haben wollten: einen, der effizient ist, aber gleichzeitig unauffällig und bescheiden - einen, der ihre Kreise nicht stört. Sicher wusste er, dass sein Ausscheiden aus der belgischen Politik die gerade gewonnen Stabilität des Landes wieder gefährden kann.
Van Rompuy hat an der Katholischen Universität Löwen Philosophie und Betriebswirtschaft studiert. Erste politische Sporen verdiente er sich in den 1970er Jahren in der Jugendorganisation der Christlichen Volkspartei, vor seiner Ernennung zum Premier im Dezember 2008 war er Präsident des Parlaments. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.
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