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Britische Politik: Blair schimpft auf seine Erben

Ex-Premier Blair findet seinen Nachfolger Brown unerträglich. In seinen Memoiren schreibt er, Brown verfüge über „null emotionale Intelligenz“.

Tony Blair lässt an seinem Nachfolger Brown kein gutes Haar.
Tony Blair lässt an seinem Nachfolger Brown kein gutes Haar.
Foto: dpa

Drei Jahre nach seinem quälend langen Abgang sorgt Großbritanniens Ex-Premier Tony Blair noch einmal für Furore. Der Erfinder von New Labour stellte am Mittwoch seine Memoiren vor, in denen er an seinem Nachfolger Gordon Brown kein gutes Haar lässt, obwohl beide einst als Dreamteam galten. Zumindest so lange, bis Blair ein früheres Versprechen einlösen und seinen Stuhl für den damaligen Finanzminister räumen musste.

Was den deutschen Sozialdemokraten Gerhard Schröder ist Tony Blair für die britische Labour-Party. Beide machten ihre jeweilige Partei unter Verzicht auf eine Reihe von Prinzipien regierungsfähig, so dass die Genossen diesen Weg oft nur nur unter Schmerzen mitgehen konnten. Auf den Verlust der eigenen Identität folgte der Verlust der Mehrheit. Wobei es Blair immerhin gelang, die Verantwortung seinem Nachfolger Brown ans Revers zu heften.

Dem früheren Schatzkanzler bescheinigt der Ex-Premier nun „null emotionale Intelligenz“. Er sei oft „unerträglich“, die Zusammenarbeit mit ihm eine Qual, schreibt Blair in „A Journey“ (Eine Reise). Ihn als Erben einzusetzen, sei „unklug“ gewesen. Der Schritt habe sich als „weder politisch vernünftig noch demokratisch“ erwiesen. Dennoch: Brown sei der beste britische Finanzminister aller Zeiten gewesen.

Warnung vor Linksruck

Für das Wahldesaster und den Machtverlust im Frühjahr macht Blair in einem Interview mit der BBC denn auch den unbeholfenen Auftritt Browns und Labours Hinwendung zu alten Idealen verantwortlich. Seine Warnung vor einem weiteren Linksruck gilt zugleich als Empfehlung für Ex-Außenminister David Miliband als neuem Labourvorsitzenden. Brown hatte diese Position bereits im Mai geräumt. Zur Urwahl, die am Mittwoch begann und bis zum 25. September dauert, stehen fünf Kandidaten. Als weiterer Favorit gilt David Milibands gewerkschaftsnaher Bruder Ed.

Blair verteidigt in „A Journey“ erneut den Einmarsch in den Irak und den gewaltsamen Sturz Saddam Husseins. Weil er darin den damaligen US-Präsidenten bedingungslos unterstützte, wurde er deswegen auch „Bushs Pudel“ genannt. Bush attestiert Blair Anstand, großen „politischen Mut“ und echten Idealismus.

Eigene Fehler fallen Blair neben der Nachfolgeregelung nur wenige ein. Einer davon sei allerdings gewesen, die Fuchsjagd − das Steckenpferd der Oberschicht schlechthin − zu verbieten.

Autor:  Wolfgang Heininger
Datum:  1 | 9 | 2010
Kommentare:  2
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