Für die einen war es nur ein Gewaltverbrechen mehr in Mexiko-Stadt, für die anderen der Beweis, dass der Drogenkrieg jetzt auch in der Hauptstadt angekommen ist. Kurz vor Morgengrauen erschossen Pistoleros am Donnerstag sieben Jugendliche in Tepito, einem der gefährlichsten Viertel der Metropole. Sie waren vermutlich kleine Dealer, die auf der Gehaltsliste des anderen Kartells standen. Fast zeitgleich richteten Unbekannte mehr als 1000 Kilometer nördlich von Tepito fünf Arbeiterinnen hin, die gerade von der Nachtschicht kamen.
Die beiden Bluttaten markierten das Ende einer der brutalsten Wochen im mexikanischen Drogenkrieg. Sieben Tage, fünf Massaker, mehr als fünfzig Tote. Als hätten sich die Killer der Kartelle abgesprochen, nahmen sie dieses Mal vor allem Jugendliche ins Visier. 14 wurden am Freitag vergangener Woche auf einem Geburtstagsfest in Ciudad Juárez umgebracht, 13 in einem Drogen-Rehabilitationszentrum in Tijuana ermordet. 15 andere wurden in Tepic im Bundesstaat Nayarit getötet, während sie in einer Waschanlage arbeiteten. Auch diese Kinder waren zumeist Drogenabhängige aus einem Entziehungsheim, in dem sie ihren Weg aus der Sucht und der Gewaltspirale der Kartelle suchten.
Vor fast genau vier Jahren ging der mexikanische Präsident Felipe Calderón gegen die Kartelle in die Offensive. Er sandte Tausende von Soldaten und Polizisten aus, um die Macht der Rauschgift-Mafias zu brechen. Erreicht hat er vor allem, dass sich die Kartelle atomisiert haben und untereinander aufs Messer bekämpfen. Vor wenigen Wochen gelangen der Staatsmacht wichtige Schlägen gegen die Beltrán-Leyva-Mafia. Doch kaum scheint dieser Clan entscheidend geschlagen, taucht eine neue Bande auf: Im Pazifikbadeort Acapulco soll sich das Cártel Independiente de Acapulco, kurz Cida, gegründet haben. Es könnte für die steigende Zahl von Entführungen und Morden in dem Urlaubsort verantwortlich sein.
Jugendliche als Dealer
28.000 Menschenleben hat der mexikanische Drogenkrieg nach offiziellen Angaben seit Dezember 2006 gekostet. Andere sprechen von 30.000 Opfern. Kaum jemand aber hat die Verletzten oder Verstümmelten gezählt. Zehntausend Waisen hat der absurde Konflikt alleine in Ciudad Juárez hinterlassen, einer der gewalttätigsten Städte der Welt.
Und Hoffnung auf Besserung besteht nicht. Selbst Präsident Calderón gesteht ein, dass dieser Krieg um Routen und Reviere für das Raschgift noch lange dauern und noch vielen Menschen den Tod bringen werde. Zudem kostet den Staat der Kampf gegen die Kartelle so viele Ressourcen, dass die anderen Baustellen vernachlässigt werden: Die Korruption steigt, gerade bescheinigte Transparency International dem Land den schlechtesten Wert in zehn Jahren. Zugleich vergrößern sich Armut und Ungleichheit, und die Jugendlichen schließen sich aus Mangel an Perspektiven den Banden an, die als Dealer und Killer wiederum von den Kartellen angeheuert werden. Es ist ein Teufelskreis, aus dem Mexiko anscheinend keinen Ausweg findet.
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