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14. Dezember 2012

Bombe in Bonn: Bundesanwaltschaft ermittelt nach Bombenfund

Foto: dapd

Die Bombe im Bonner Hauptbahnhof ist nach Medieninformationen ferngezündet worden, aber nicht detoniert. Die Bundesanwaltschaft sieht "Verbindungen in radikal-islamistische Kreise" und übernimmt die Ermittlungen

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Die Bombe im Bonner Hauptbahnhof ist nach Medieninformationen ferngezündet worden, aber nicht detoniert. Die Bundesanwaltschaft sieht "Verbindungen in radikal-islamistische Kreise" und übernimmt die Ermittlungen

Die Bombe im Bonner Hauptbahnhof ist nach Informationen des WDR ferngezündet worden, aber nicht detoniert. Wie der WDR weiter berichtete, soll die Bombe aus sicherer Entfernung gezündet worden sein. Dass sie dann nicht explodiert sei, habe möglicherweise daran gelegen, dass die Täter eine Glühbirne zum Zünden verwendet hätten. Die Polizei suche neben den beiden bisherigen nun auch noch einen dritten Verdächtigen. Es solle schon konkrete Hinweise auf einige Personen geben. Die Polizei wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren.

Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen

Polizisten sichern im Dezember 2012 im Bonner Bahnhof Spuren, nachdem die verdächtige Tasche gezielt gesprengt wurde (Archiv).
Polizisten sichern im Dezember 2012 im Bonner Bahnhof Spuren, nachdem die verdächtige Tasche gezielt gesprengt wurde (Archiv).
Foto: dpa

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen der im Bonner Hauptbahnhof entdeckten Bombe übernommen. „Es liegen belastbare Hinweise dafür vor, dass die verdächtige Person über Verbindungen in radikal-islamistische Kreise verfügt“, teilte die Behörde am Freitag zur Begründung mit. Zudem gebe es Anhaltspunkte, dass es sich um einen versuchten Anschlag einer terroristischen Vereinigung radikal-islamistischer Prägung handele. Die Behörde beauftragte das Bundeskriminalamt mit der Leitung der Ermittlungen.

Der Sprengsatz war am Montag in einer Tasche auf einem Bahnsteig im Bonner Hauptbahnhof entdeckt worden. Nach derzeitigem Ermittlungsstand habe die Bombe eine zündfähige Sprengstoffvorrichtung und zündfähiges Ammoniumnitrat enthalten, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Ermittlerkreisen erfuhr, hat die Untersuchung des Sprengsatzes Indizien für eine Zündung ergeben. Zu diesen Hinweisen gehörten unter anderem eine fast leere Batterie und Rußspuren auf einem Draht, was auf eine Erhitzung hindeute.

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft hat sich der versuchte Anschlag so abgespielt: Gegen 13 Uhr stellt am Montagmittag ein Mann die blaue Nylonsporttasche mit dem Sprengsatz auf dem Bahnsteig von Gleis 1 im Bonner Hauptbahnhof ab. Die Bombe besteht aus einem ungefähr 40 Zentimeter langen Metallrohr, das zündfähiges Ammoniumnitrat enthält und mit vier Druckgaspatronen umwickelt ist, dazu einen Wecker und mehrere Batterien, die als Zündvorrichtung dienen sollen. Aber die Bombe explodiert nicht. Dazu schreibt die Bundesanwaltschaft: „Weswegen der Sprengsatz nicht detonierte, bedarf weiterer Ermittlungen.“ Was den Täter betreffe, so lägen „belastbare Hinweise dafür vor, dass die verdächtige Person über Verbindungen in radikal-islamistische Kreise“ verfüge.

Unfähigkeit der Täter verhindert die Katastrophe

Nur die Unfähigkeit der Täter hat Bonn vor einer Katastrophe bewahrt. Und auch das würde ins Bild passen. Auch der Anschlag der Kölner Kofferbomber misslang 2006 nur aufgrund eines Baufehlers. Die Wecker lösten zwar zur eingestellten Zeit die Zündung aus, das Gas-Benzin-Gemisch konnte aber mangels Sauerstoff nicht explodieren.
Terroranschläge im Ausland sind in den vergangenen Jahren ebenfalls immer wieder gescheitert, weil die Sprengsätze falsch konstruiert waren. So versagten im Juli 2005 in London die Zünder selbst gebastelter Bomben, die in vier U-Bahn-Zügen hochgehen sollten. Zwei Wochen vorher hatte eine erste Anschlagsserie 52 Menschen das Leben gekostet.
Dass die Sprengsätze häufig versagen, wird von Experten für gewöhnlich damit erklärt, dass die Täter eben keiner schlagkräftigen Organisation angehören, sondern in einer kleinen Gruppe auf eigene Faust handeln. Dabei greifen sie auf Anleitungen aus dem Internet zurück - tatkräftige Hilfe von Sprengstoff-Experten steht ihnen hingegen nicht zur Verfügung. Ob dies auch in Bonn den vielen Wartenden an Gleis 1 das Leben gerettet hat, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen.

Wenige Tage nach dem Fund eines höchst gefährlichen Sprengsatzes am Bonner Hauptbahnhof sucht die Polizei nach einem weiteren Zeugen. Der etwa 40 Jahre alte Mann meldete einer Mitarbeiterin der Bahn die herrenlose Tasche im Bahnhof, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Die Behörden hätten seitdem nicht mit ihm gesprochen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur dapd. Zudem werde weiter nach zwei Tatverdächtigen gefahndet.

Die Ermittler erhoffen sich wichtige Hinweise von dem unbekannten Zeugen, der am Montag (10. Dezember) das herrenlose Gepäckstück an einem Info-Point der Bahn meldete. Er könne die Täter gesehen haben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn. Der Mann hat nach Angaben der Polizei kurze mittelblonde Haare und war mit einer blauen Daunenjacke bekleidet. Bisher gibt es Aussagen von Jugendlichen zu einem Tatverdächtigen, der die Tasche mit dem Sprengsatz im Bahnhof abgelegt haben soll.

Bundesinnenminister ruft zu Wachsamkeit auf

Aus der Bevölkerung kamen inzwischen zahlreiche Tipps. Seit einer Pressekonferenz am Mittwoch seien mehr als sechzig Hinweise eingegangen, sagte Einsatzleiter Norbert Wagner laut einer Mitteilung am Donnerstag. „Wir gehen allen Hinweisen nach, eine neue heiße Spur ist allerdings auf den ersten Blick noch nicht dabei“, sagte er weiter.

Die Polizei fahndet nach zwei Tatverdächtigen. „Wir suchen weiter nach ihnen“, sagte ein Polizeisprecher. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) rief die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit auf. Wie wichtig dies sei, habe sich in Bonn gezeigt. „Deutschland steht vor allem im Fadenkreuz des dschihadistischen Terrorismus“, sagte Friedrich in Berlin. Dennoch sollten sich die Bürger nicht in ihrem alltäglichen Leben beeinträchtigen lassen. Zudem betonte der CSU-Politiker, dass den Sicherheitsbehörden derzeit keine Hinweise auf die Gefährdung konkreter Ziele vorlägen. Das gelte auch für Weihnachtsmärkte.

Die Untersuchung der Materialien dauerte am Donnerstag an. (dpa/dapd/rtr)

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