Der Kater nach dem Klimagipfel-Flop von Kopenhagen war wohl doch nicht schlimm genug. Die Bonner UN-Konferenz, die den Kyoto-Prozess am Wochenende wieder flott machen sollte, verfiel schnell wieder in alte Rituale. Die Vertreter von mehr als 170 Ländern quälten sich wie Verhandlungsjunkies drei Tage lang mit organisatorischen Entscheidungen zu weiteren Schritten bis zum nächsten Weltgipfel in mexikanischen Cancun im Dezember.
Immerhin wurde festgelegt, dass es vor Cancun drei weitere Vorbereitungstreffen geben wird, bei denen Verhandlungstexte entstehen sollen. Zwei werden im Juni und August in Bonn stattfinden, das dritte im September, möglicherweise in Thailand. Außerhalb des UN-Formats sollen zwei weitere Konferenzen dem Thema neues Leben einhauchen, darunter im Mai ein "Mini-Gipfel" mit Ministern aus 40 bis 45 Staaten auf dem Petersberg bei Bonn.
UN-Klimachef Yvo de Boer dämpfte die Hoffnungen. Er erwartet nicht, dass Cancun bereits das "Kyoto II"-Protokoll bringt. Das sei kaum mehr drin. Wichtiger, als sofort den großen Wurf anzustreben, sei es, sich um "eine grundsätzliche Architektur" und Kernthemen wie Klima-Anpassung, Waldschutz oder Technologietransfer zu kümmern. "Anders als bei den CO2-Reduktionszielen und den Finanzierungsfragen sind wir dabei in Kopenhagen sehr weit gekommen."
Chinesen bewegen sich
In Bonn zeigte sich, dass eine Mehrheit der Länder für Cancun ein rechtlich verbindliches neues Abkommen will, das die Erderwärmung bei 1,5 bis maximal zwei Grad Celsius stoppt. Darunter waren die EU, viele Entwicklungsländer, die kleinen Inselstaaten und, was Beobachter erstaunte, erstmals auch China. Widerstand kam von den USA und einigen anderen traditionellen Bremserstaaten wie Saudi-Arabien. Unklar blieb, ob der bereits erarbeitete "Copenhagen Accord" in die Verhandlungen eingespeist wird, der von einer kleinen Staatengruppe unter US-Führung im Alleingang beschlossen wurde.
Umweltschützer riefen die USA und die EU auf, mit beherzten Entscheidungen wieder Schwung in die Verhandlungen zu bringen. Greenpeace forderte, US-Präsident Barack Obama müsse dringend das nationale Klimaschutzgesetz durch den Kongress bringen. Die EU wiederum solle ihr CO2-Reduktionsziel für 2020 ohne Vorbedingung von minus 20 auf minus 30 Prozent erhöhen.
Die EU sicherte in Bonn zu, an ihrer Finanzzusage für ärmere Länder ungeachtet der stockenden Klimaverhandlungen festzuhalten. Die in Kopenhagen angekündigten ersten 2,4 Milliarden Euro würden in diesem Jahr gezahlt. Die USA hatten eigene Zahlungen an die Bedingung geknüpft, dass Empfänger den "Copenhagen Accord" akzeptieren.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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