kalaydo.de Anzeigen

Botschafter-Rückruf: Schweden erbost Türkei

Weil das Stockholmer Parlament das Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet, sagt der türkische Ministerpräsident seinen Besuch in Schweden ab.

Eine Resolution im Parlament in Stockholm, in der das Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anerkannt wird, hat eine schwere diplomatische Krise zwischen der Türkei und Schweden ausgelöst. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Freitag seinen für nächste Woche geplanten Besuch in Schweden ab und rief Botschafterin Zergün Korutürk zurück nach Ankara. Sie warnte vor ihrer Abreise davor, dass der Beschluss "drastische Konsequenzen" für die bilateralen Beziehungen haben werde.

Die gegen den Willen der Regierung zustande gekommene Resolution fand im Parlament überraschend eine Mehrheit von 131 zu 130 Stimmen, als sich vier bürgerliche Abgeordnete dem Antrag der rot-grünen Opposition anschlossen. Der letzte sozialdemokratische Parteitag hatte die Parteiführung gezwungen, die früher von sozialdemokratischen Regierungen verfochtene Linie aufzugeben.

Der konservative Außenminister Carl Bildt bedauerte dies: Eine "Politisierung der Geschichte" erschwere Versöhnung und Frieden. Die Türkei-Politik Schwedens werde sich nicht ändern. Seine Regierung zählt zu den wenigen in der EU, die sich eindeutig für einen EU-Beitritt der Türkei aussprechen. Bildt sagte, er fürchte auch "erhöhte Spannungen in unserer Gesellschaft". Vor allem die starke assyrische Minderheit hatte sich für die Resolution starkgemacht, türkische Organisationen hatten sich dagegen gewehrt.

In Ankara wurde Schwedens Botschafter Christer Asp ins Außenministerium einbestellt. Er fürchtet, dass die Stockholmer Resolution der nationalistischen türkischen Opposition ein Argument geben könnte, den Versöhnungsprozess mit Armenien zu behindern. "Es dauerte nach der Abstimmung nur zwei, drei Minuten, ehe die Opposition forderte, die Protokolle zu zerreißen."

Bei den Massakern im zerfallenden Osmanischen Reich kamen nach Schätzungen von Historikern bsi zu 1,5 Millionen Menschen ums Leben, vor allem Armenier, aber auch Assyrer, Griechen und andere Minderheiten. Nach türkischer Lesart lag die Zahl der Toten bei höchstens 400000, wovon die meisten durch Bürgerkrieg und Unruhen gestorben seien.

Die Massaker als Völkermord zu bezeichnen, ist in der Türkei verboten. Vergangene Woche wurde auch das Verhältnis der Türkei zu den USA belastet, weil eine Resolution des Außenpolitischen Ausschusses im Repräsentantenhaus in Washington von Völkermord an den Armeniern sprach. Rund 20 Staaten, darunter die Schweiz, Frankreich und Russland, haben inzwischen ähnliche Erklärungen verabschiedet.

Autor:  Hannes Gamillscheg
Datum:  13 | 3 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!