Washington. Ein Ausflug zur Segelregatta rund um die südenglische Isle of Wight im Ärmelkanal hat BP-Chef Tony Hayward in den USA einmal mehr zum Ziel wütender Proteste werden lassen. Dabei dürfte Haywards schlanke Yacht "Bob" ihrem Besitzer am Samstag bei dem renommierten Rennen mit dem vierten Platz unter 45 Booten zunächst erhebliche Freude gemacht haben. Die aber währte nicht lange.
Der BP-Boss, der nach Angaben der Veranstalter nicht selbst segelte, das Rennen aber verfolgte, traf mit seinem Ausflug an die ölfreie englische Küste erneut zielsicher einen Nerv in Washington. "Das ist Teil einer langen Liste von PR-Ausrutschern und Fehlern", sagte der Stabschef von Präsident Barack Obama, Rahm Emanuel, in einem TV-Interview mit Blick auf Haywards Krisenmanagement bei der Ölpest am Golf von Mexiko.
Dass der BP-Chef seinen nach Konzernangaben ersten freien Tag seit der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon am 20. April ausgerechnet bei einem Rennen seiner Yacht verbringen musste, spricht in der Tat für eine recht flache Lernkurve. In den USA ist der Brite Hayward längst zur Symbolfigur für Rücksichtslosigkeit und Arroganz bei BP geworden. Mehrfach hatte er die Katastrophe und ihre Folgen heruntergespielt, BP mit Selbstlob gesalbt und sich beklagt, auch er wolle sein Leben zurück. Unter Anspielung darauf höhnte der Obama-Vertraute Emanuel nun: "Um Tony Hayward zu zitieren: Er hat sein Leben zurück."
Der republikanische Senator Richard Shelby aus dem betroffenen Küstenstaat Alabama nannte den Regattaausflug "die Spitze der Arroganz". Hayward und seine Yacht sollten im Golf von Mexiko sein und Öl beseitigen.
Über Haywards künftige Rolle im Kampf gegen die Ölpest herrschte indes Verwirrung. Ausgelöst hatte sie BP-Aufsichtsratschef Carl-Henrik Svanberg, der am Freitag im britischen TV-Sender SkyNews gesagt hatte, Hayward werde die täglichen Geschäfte im Kampf gegen die Ölpest an den BP-Manager Bob Dudley abtreten. Mehrere Unternehmenssprecher bestritten indes am Wochenende den Eindruck, Hayward sei aus der Schusslinie genommen und vom Krisenmanagement abgezogen worden.
Die Zeitung USA Today zitierte am Sonntag BP-Sprecher Daren Beaudo, Hayward leite weiter den Kampf gegen die Ölpest. Auch habe er die volle Unterstützung des Aufsichtsrats. Svanbergs Äußerung habe sich auf eine Ankündigung vom 4. Juni bezogen, wonach BP beabsichtigt, später eine Organisation zur langfristigen Sanierung der betroffenen US-Küste zu gründen. Diese solle dann Dudley leiten. Eine andere Sprecherin sagte: "Tony behält die volle Kontrolle, bis das Ölleck gestoppt ist."
BP teilte am Samstag mit, dass es im Zusammenhang mit der Ölpest im Golf von Mexiko vorerst 104 Millionen Dollar an Entschädigungen ausgezahlt habe. Der Konzern erhielt demnach bereits 64000 Klagen.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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