Berlin. Ein Opfer des Gaza-Krieges ist auch die Musik. Aus Sicherheitsgründen wurde dieser Tage je ein Konzert in Kairo und in Doha abgesagt, das das West-Eastern-Divan-Orchestra aus Anlass seines zehnjährigen Bestehens geben wollte. Daniel Barenboim, der künstlerische Leiter der Berliner Staatsoper Unter den Linden, hatte das Orchester mit israelischen und arabischen Musikern 1999 gemeinsam mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said gegründet, um ein Zeichen für den Dialog im Nahostkonflikt zu setzen.
Gerade jetzt, so Barenboim, sehe er sich darin bestätigt, dass die Idee des Orchesters vor allem ein humanistisches und kein politisches Projekt sei. Anstelle der geplatzten Konzerte in Kairo und Doha spielt das achtzigköpfige Orchester am kommenden Montag eine Sondervorstellung in Berlin: Beethoven und Brahms für den Frieden.
Guy Braunstein, israelischer Konzertmeister der Berliner Philharmoniker und Mitglied des Divan-Orchestras, verschweigt nicht, dass es gerade während des Krieges Meinungsverschiedenheiten unter den Musikern gibt. Drei Mitglieder des Orchesters haben denn auch entschieden, nicht nach Berlin zu reisen. Mit einem palästinensischen Musikerkollegen aus Ramallah hat Braunstein jedoch beschlossen, sich gerade jetzt intensiv darüber auszutauschen, was sie vom Kriegsgeschehen erfahren. "Wir telefonieren mehrmals pro Woche. Wann, wenn nicht jetzt", sagt Braunstein, "sollen wir über den Krieg reden."
Daniel Barenboim bekräftigte, dass Israel das Recht habe, sich zu verteidigen. Aber einmal mehr, sagte er in Berlin, sehe er sich darin bestätigt, dass der Konflikt nicht militärisch zu lösen sei. Die Existenz des Orchesters, das in den vergangenen zehn Jahren nicht zuletzt auch musikalisch gereift sei, betrachtet Barenboim als Modell für künftige Verhandlungen. Und Guy Braunstein ist sich sicher, dass das Orchester in den nächsten Jahren auch Konzerte in Damaskus und Teheran geben wird. Die Divanisierung des Nahen Ostens sei nicht aufzuhalten.
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