Ein Brandanschlag hat am Montag den Bahnverkehr in Berlin drastisch behindert. Nach einem Kabelbrand am S-Bahnhof Ostkreuz im Ostteil der Hauptstadt hatten Hunderttausende Fahrgäste mit starken Behinderungen zu kämpfen.
Zu dem Anschlag auf die zentrale Kabeltrasse im Hauptstadtverkehr der Deutschen Bahn (DB) bekannten sich militante Atomkraftgegner. „Unsere Aktion ist ein Haltesignal“, heißt es in einem Schreiben, das gestern im Internet veröffentlicht wurde. „Über den sofortigen Ausstieg aus der Atomtechnologie gibt es nichts mehr zu verhandeln. Wir spielen nicht mehr mit.“ Die Polizei teilte mit, dass sie das Schreiben für authentisch hält. Der Staatsschutz ermittelt.
Stellwerke lahmgelegt
Die Deutsche Bahn verurteilte die Attacke. „Es trifft nicht nur unser Unternehmen, sondern ist vor allem eine Zumutung für Hunderttausende unserer Kunden“, sagte Vorstandsmitglied Gerd Becht.
Die S-Bahn sprach von einem „Super-GAU“ auf ihren Strecken. „Eine Störung in einer solchen Größenordnung hat es bislang bei uns noch nicht gegeben“, sagte S-Bahn-Geschäftsführer Peter Buchner der Frankfurter Rundschau. Das Feuer hatte 30-Kilovolt-Starkstromleitungen zerstört, die rund ein Drittel des S-Bahn-Netzes mit Strom versorgten. Auch der Fern- und Regionalbahnverkehr war beeinträchtigt; das gegen 3 Uhr morgens ausgebrochene Feuer legte signaltechnische Leitungen und damit mehrere Stellwerke lahm.
Wegen des Stromausfalls waren auch die Lautsprecheranlagen und die Anzeigentafeln auf Bahnhöfen außer Betrieb, sagte ein Bahnsprecher. Betroffen waren zudem Datenleitungen zum DB-Rechenzentrum Mahlsdorf sowie Fernmeldekabel, die vom Mobilfunkanbieter Vodafone genutzt wurden. Die Internetseiten der DB waren nicht erreichbar, Online-Buchungen von Tickets und Sitzplatzreservierungen daher zeitweilig unmöglich. Bei Vodafone waren Internet- und Telefonanschlüsse von mehreren tausend Kunden betroffen.
Auf vielen Linien müssen die Fahrgäste auch heute mit Beeinträchtigungen rechnen. „Es wird noch Tage dauern, bis alles wieder in Ordnung gekommen ist“, sagte Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB voraus. Er rügte, dass es keine ausreichenden Reserven für solche Störungsfälle gebe. „Rückfallebenen fehlen.“
Hans-Werner Franz vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bemängelte, dass die Fahrgäste oft nur unzureichend informiert wurden. „Es zeigt sich leider wieder einmal, dass weder die S-Bahn noch die Deutsche Bahn ausreichend auf Großstörungen vorbereitet sind. Es fehlt ein umsichtiges Störungsmanagement.“
Die DB ist immer wieder Ziel von Straftaten. Zuletzt hatte ein Brand, der am 1. November 2010 im Stadtteil Neukölln gelegt wurde, bei der S-Bahn Berlin zu Beeinträchtigungen geführt. Auch damals hatten sich Atomkraftgegner zu der Tat bekannt. Hintergrund waren damals Atommülltransporte auf der Schiene.
Hochrangige S-Bahner sprachen am Montag von einer „zielgerichteten Einwirkung“. „Da kennt sich jemand sehr gut bei uns aus. Es gibt offenbar Menschen, die uns ernsthaft schaden wollen“, sagte ein S-Bahn-Manager dieser Zeitung. Der oder die Täter hätten gewusst: „Wenn es da brennt, dann lege ich einen großen Teil des Verkehrs lahm.“
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